Jüngster Fang des Ornithologen Arsenij Zwej. Foto: KE

Vogelzug auf der Nehrung

An der Vogelwarte Fringilla wurden in diesem Jahr etwa 50.000 Vögel gefangen und beringt. Den Ornithologen gingen Goldhähnchen, Blaumeisen, Kohlmeisen, Erlenzeisige, echte Drosseln, Rotkehlchen, Buchfinken und viele andere Vögel ins Netz.

Wieder ist an der Vogelwarte Fringilla in der Nähe von Rybatschij (ehem. Rossitten) eine Feldarbeitssaison zu Ende gegangen. In diesem Jahr wurden dort etwa 50.000 Vögel gefangen und beringt. Den Ornithologen gingen Goldhähnchen, Blaumeisen, Kohlmeisen, Erlenzeisige, echte Drosseln, Rotkehlchen, Buchfinken und viele andere Vögel ins Netz.

„Die massenhafte Migration begann bei uns vierzehn Tage früher als sonst und es gab diesmal viel mehr Vögel“, sagte in einem Interview mit dem Informationsportal „New Kaliningrad“ Arsenij Zwej, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Russischen Akademie der Wissenschaften, die die Vogelwarte betreibt. „Dass es im Frühjahr und zu Beginn des Sommers keine größeren Temperaturunterschiede und keine Regenfälle gab, wirkte sich positiv auf die Nachkommenschaft der Vögel aus. Die Jungvögel schlüpften dank der günstigen Wetterbedingungen früh und zur selben Zeit. Zu Beginn der herbstlichen Vogelzugperiode waren sie gestärkt und ziehen jetzt in großen Scharen in die Winterquartiere.“

Das Kaliningrader Gebiet liegt auf einer Vogelzugroute, die vom Weißmeer über die Ostsee führt. Zugvögel gliedern sich in zwei Gruppen: Langstreckenzieher, die nach Afrika fliegen, und Kurzstreckenzieher, die in Europa überwintern. Die erste Gruppe, zu der Nachtigallen, Schwalben, Laubsänger und einige andere gehören, hat sich bereits Ende August auf den Weg gemacht. Doch laut Zwej ist es die Gruppe der Kurzstreckenzieher, also die Kohlmeisen, Buchfinken und Goldhähnchen, die zu einem Anstieg der Beringungen in diesem Jahr geführt hat. Besonders oft flogen in diesem Jahr Blaumeisen in die Netze der Vogelwarte Fringilla. Diese Meisenart fliegt bis nach Polen, Deutschland und Belgien. „Gleichzeitig fangen wir regelmäßig Langstreckenzieher aus Ostsibirien, deren Brutgebiete noch sieben- bis achttausend Kilometer entfernt sind. Es ist unbekannt, warum dies passiert und wie es zu deuten ist. Vielleicht wollen die Vögel einfach neue Gebiete für sich erschließen und sie sind auf der Suche nach zukünftigen Brutgebieten. Es kann auch sein, dass das genetisch bedingte Migrationsprogramm gestört ist. Das sind bisher alles Hypothesen, wir fangen erst an, diese Erscheinung zu erforschen“, erläuterte der Ornithologe.

Es gibt noch einen anderen wichtigen Aspekt. Die jüngsten Epidemien zeigen, dass Vögel viele Krankheiten übertragen, darunter auch solche, die den Menschen gefährden. Welche Vogelarten sind an einem solchen Geschehen beteiligt, wo kommen sie mit den Infektionsquellen in Kontakt? Wissenschaftlern sind Fälle bekannt, in denen innerhalb Europas ziehende Vögel von einem afrikanischen Virus befallen waren. Wie gelangt das Virus in ihren Organismus? Welche Mutationen weist es auf, wie wird es übertragen und wie sehen die medizinischen Implikationen aus? Diese und viele andere Fragen zeigen die Wichtigkeit der Forschungen an der Vogelwarte Fringilla und die steigende Aktualität der Ornithologie.