Nach mehreren Jahren Arbeit in Russland packen viele Migranten jetzt ihre Koffer. Foto: KE

Arbeitsmigranten verlassen Kaliningrad

Hiesige Unternehmen beklagen die Abwanderung von Arbeitsmigranten aus dem Gebiet, schreibt die regionale Zeitung „Argumenty i Fakty“.

„Die Fluktuation ist unglaublich. Kaum war der Rubelkurs gesunken, reisten die Arbeitsmigranten in Scharen ab“, zitiert die Zeitung die Leiterin der Personalabteilung einer größeren Reinigungsfirma. „Und die Arbeitskräfte vor Ort sind sehr faul. Sie lehnen es ab, Höfe sauber zu halten oder Parkett zu bohnern, weil sie diese Arbeit als zu schwer ansehen. Die Migranten dagegen waren bereit, sich schon ab 5 Uhr morgens abzurackern.“

Nach den Worten eines Vertreters der Firma „Remschilstroj“ war der für den Bau einer Sportanlage in Cholmogorowka zuständige Bauunternehmer gezwungen, die Abnahme des Objekts wegen Fachkräftemangels um zwei Monate zu verschieben. „Es gab einfach keine Maurer mehr. Die daraufhin angeheuerten ungelernten Arbeiter haben nichts zustande gebracht. Die Fachkräfte reisen ab. Sogar ein Usbeke, der bei uns 20 Jahre als Vorarbeiter tätig war, hat die Koffer gepackt. Allerdings nennt kaum einer den wahren Grund für die Abreise: Man sei angeblich „müde und die Familie bitte um Rückkehr“.

Auch Walerij Makarow, Leiter der Holdinggesellschaft „Kaliningradstrojinvest“, bestätigte gegenüber der Zeitung „Argumenty i Fakty“ den Abzug der Arbeitsmigranten. Seiner Einschätzung nach fehlen auf den Baustellen heute 25 bis 30 Prozent der erforderlichen Arbeitskräfte.

Nicht vergessen werden darf auch, dass seit 2021 auf dem Arbeitsmarkt im Gebiet für eine Reihe von Berufen offiziell Beschränkungen gelten. Im Bäckerhandwerk, bei der Herstellung von Kindernahrung und diätetischen Lebensmitteln, im Hotelgewerbe, der Personenbeförderung und in Schulen und Vorschuleinrichtungen dürfen keine Ausländer beschäftigt werden. Das Verbot ist schon mehrmals verlängert worden und eine Verlängerung bis 2024 ist geplant.

Es gibt allerdings auch andere Gründe, die Arbeitsmigranten zur Rückkehr in ihre Heimatländer bewegen. Dies gilt insbesondere für diejenigen, die mittlerweile die russländische Staatsbürgerschaft erhalten haben. Bei ihnen besteht die Möglichkeit, dass sie an die Front in der Ukraine eingezogen werden.