Geschichte & Gegenwart
09. 10. 2019
Zukunftschance für Schloss Ragnit
Iwan Artjuch, Inhaber der in Neman ansässigen Molkerei „Deutsches Haus“, will die Reste der örtlichen Ordensburg Ragnit mieten. Er plant die Ruine zu renovieren und langfristig ein Kunst-Atelier einzurichten.

Die Ruine der Ordensburg Ragnit wirkt heute noch trotz ihres völlig desaströsen Zustandes überwältigend. Foto: I.S.
Das kündigte Artjuch in einem Interview mit der Webseite „newkaliningrad.ru“ an. Der Pächter will zunächst das umliegende Gelände verschönern. Er rechnet damit, dass ihm dabei engagierte Bürger und ehrenamtliche Helfer aus Neman und Umgebung zur Seite stehen werden. Freiwillige aus Kernrussland und Fachkräfte aus Polen haben ihre Hilfe ebenfalls bereits angeboten.

Artjuch hofft außerdem, dass er bei der Umsetzung weiterer Bau- und Verschönerungspläne finanzielle Unterstützung durch interessierte Investoren und Behörden auf regionaler und föderaler Ebene finden wird.

Die Burg soll nach Artjuchs Vorstellungen als eine Art Freilichtmuseum für Besucher zugänglich sein. In den inneren Räumen plant er das besagte Atelier unterzubringen und im Innenhof könnten verschiedene Kultur- und Kunstveranstaltungen wie etwa Ausstellungen, Sinfoniekonzerte oder Ballettvorstellungen stattfinden. Das Wichtigste sei aber, den weiteren Verfall des Baudenkmals zu verhindern und es für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Zur Information: Die Ordensburg Ragnit entstand im 14. Jahrhundert auf dem Gelände einer gleichnamigen Festung. Das Schloss hatte eine fast quadratische Form, auf vier Etagen befanden sich elf große Säle und viele kleinere Räume. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren das Konventsgebäude, das Kabinett und die Gästezimmer aller 45 Komture Ragnits. Das Schloss wurde immer wieder umgebaut, 1825 beherbergte es ein Gefängnis. 1839 wurde das Stadt- und Kreisgericht darin untergebracht, 1849 das Militärtribunal und ab 1879 das Verwaltungsgericht. Danach hatte das Schloss keinen ständigen Besitzer mehr und es begann der Verfall.

1945 wurde die Burg durch die Kriegshandlungen stark beschädigt und verfiel in den Nachkriegsjahren zusehends. Eventuell plante der Konzern Rosatom, der mit dem Bau eines Atomkraftwerkes 15 Kilometer außerhalb der Stadt begonnen hatte, den Wiederaufbau zu unterstützen.

2010 wurde die Ruine der Russisch-Orthodoxen Kirche übereignet.




Devisenkurse: 09. 10. 2019
1 EUR = 71,4500 Rbl
1 US$ = 65,1000 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank