Stadt und Menschen
10. 09. 2019
Abschiedswort zum Ableben von Viktor Rjabinin
In der Nacht auf den 18. Juli 2019 verstarb nach schwerer Krankheit im Alter von 72 Jahren unser Freund, der Kaliningrader Künstler Viktor Rjabinin. Am 20. Juli wurde er in Kaliningrad beigesetzt.

„Ich lebe nach wie vor in Königsberg, obwohl in meinem Pass Kaliningrad als Wohnsitz steht“, so sprach der Maler und Kunstsammler Viktor Rjabinin in einem Interview, das er Ende 2017 der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ gegeben hat. Foto: www.kp.ru
Viktor Rjabinin wurde am 17. Dezember 1946 in Kaliningrad geboren. Sein Vater war ein Offizier der Roten Armee und die Mutter eine ehemalige Zwangsarbeiterin, die 1942 nach Deutschland verschleppt worden war. Beide lernten sich bei Kriegsende kennen und wohnten im Vorort Charlottenburg von Königsberg (heute Vorort Lermontowski).

Viktor spielte in der zerstörten Stadt mit gleichaltrigen Kindern in den Trümmern mit vielen alten Gegenständen wie verrosteten Waffen, Emailleschildern, Werbetafeln, Flaschen, Orden, Fahnen und vielem mehr, was zu seiner Sammelleidenschaft führte. Gleichzeitig interessierte er sich für eine künstlerische Tätigkeit. Er besuchte die Burgschule und die Gewerbe- und Kunstschule, studierte dann 1965-1971 an der Kunstschule Iwanowo bei Moskau und betätigte sich ab 1971 als Künstler.

Von 1980 an war er Lehrer an der Kinderkunstschule in Kaliningrad. Viktor richtete sich dann 1981 im Haus Leninskij Prospekt Nr. 93 nahe der ehemaligen Börse im 7. Stockwerk ein Atelier ein. Hier sind alle gesammelten Ausstellungsstücke, darunter viele Gegenstände aus dem alten Königsberg, deponiert.

Viktors Kunstwerke waren Zeichnungen von Landschaften des Samlandes, der Kurischen Nehrung und historischen Gebäuden des ehemaligen Königsbergs, so die Serie „Königsberger Ruinen“, „E. T. A. Hofmanns Erinnerungsfantasie“ oder das Bild „Mein Haus ist meine Burg“ (Öl auf Leinwand). Sehr interessant ist auch die Folge „Königsberger Berühmtheiten“ (Aquarell, Braunstift, Tusche), darunter Kant, Herder, Dach, Hippel, Schenkendorf u.a. Im Dezember 2016 zeigte die Gemäldegalerie die Werke Rjabinins mehrere Wochen lang in einer Sonderausstellung.

In ihrem 1995 erschienen Buch „Wer gibt uns die Tränen zurück?“ schuf die schon verstorbene Elisabeth Schulz-Semrau viele literarische Porträts, die auf Grundlage persönlicher Begegnungen entstanden sind. Darunter findet sich auch ein Titel „Annäherung an einen Maler in K.“ Eine Annäherung an Viktor Rjabinin. Viele Mitglieder des „Königsberger Freundeskreises“ pflegten freundschaftliche Verbindungen zu Viktor. Wir werden Viktor Rjabinin stets in unserem Herzen bewahren.

Königsberger Freundeskreis,
Konrad Behrend, Berlin

Auch die KE-Redaktion trauert und bringt den Hinterbliebenen und Freunden von Viktor Rjabinin ihr tiefempfundenes Beileid und Mitgefühl zum Ausdruck.




Devisenkurse: 10. 09. 2019
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Quelle:Russ. Zentralbank