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10. 09. 2019
Devau: Ein Meilenstein der Luftfahrt wird 100
Am 17. und 18. August fand in Kaliningrad das Flugfest „100 Jahre Devau“ statt. Devau-Königsberg war einer der ersten zivilen Flughäfen in Europa. Von dort wurde ab November 1919 zuerst die Strecke Berlin-Königsberg und später auch Königsberg-Moskau bedient.

Nachwuchsarbeit: Heinrich Jans-Wenstrup aus Neuenkirchen-Vörden erklärt Jana aus Kaliningrad die Anzeigen im Cockpit. Foto: A.J.
Das hatte der ehemalige Flughafen Devau noch nicht gesehen: 35 ausländische Kleinflugzeuge aus Deutschland, der Schweiz und weiteren Ländern waren Mitte August zumeist über Gdansk/Danzig kommend zunächst am Kaliningrader Airport Chrabrowo „Elisabeth Petrowna“ gelandet, um dann weiter nach Devau oder zum unweit entfernt liegenden Flugplatz Waldau zu fliegen. Auch Flugzeuge und Helikopter aus Russland nahmen an den Festlichkeiten zum 100. Jahrestag der ersten zivilen Flugverbindung Europas teil, die ab November 1919 die Strecke Berlin-Schneidemühl-Danzig-Elbing-Königsberg (Devau) bedient hatte und bald nach Moskau ausgeweitet worden war.

Organisator der Veranstaltung war die Kaliningrader Abteilung der sportmilitärischen Organisation DOSAAF unter Vorsitz von Oleg Urbanjuk, unterstützt vom Hanse Office Kaliningrad unter Leitung von Tatjana Pawlowa. Als Ansprechpartner für die internationalen Piloten fungierte René Lancelle, Erster Vorsitzender des Luftsportvereins Kiel, der Partnerstadt Kaliningrads.

Viele der ausländischen Pilotinnen und Piloten waren das erste Mal in Russland und nutzten neben der Möglichkeit, sich das ganze Wochenende in ihren Luftfahrzeugen über dem Kaliningrader Gebiet bewegen zu dürfen, auch die Chance, die Stadt und deren Umgebung kennenzulernen. So auch Wolfgang und Christine Petzsch von der Insel Rügen, beide bereits mit Arbeitserfahrung in Russland, die an einem strahlenden Freitagmorgen vom Flugplatz Güttin aus gen Osten gestartet waren. Schon bei der Zwischenlandung in Danzig traf man auf altbekannte Fliegerkollegen. Gemeinsam ging es dann weiter über die Frische Nehrung nach Kaliningrad, wo nach Landung in Chrabrowo ein ganzes Geschwader von russischen Grenzbeamten die Pass- und Zoll-Abfertigung direkt an den Maschinen übernahm. Danach teilten sich die Flugzeuge auf. Die meisten flogen nach Devau weiter, wo sie in bestem Deutsch von Wjatscheslaw Flegler per Funk begrüßt wurden und wie Perlen einer Kette nacheinander meist auf Grasland landeten. Sergej Maschtschenko, Leiter des vor 33 Jahren gegründeten regionalen Fliegersportvereins der DOSAAF, wies jeder Maschine dann einen Stellplatz zu. Der Anblick der in einer langen Reihe aufgestellten Flieger ließ jedes Herz höherschlagen.

Auch in Waldau, dem ersten privaten Flugplatz für ultraleichte Maschinen in der Region Kaliningrad, begrüßte Alexander Filin die Piloten auf das Herzlichste. Hier gab es für alle Flugzeuge die Möglichkeit zum Betanken. Nach einem Briefing am Abend in Kaliningrad zum weiteren Verlauf der Festivitäten versammelten sich die Gäste zu einem ersten gemütlichen Beisammensein bei Pelmeni und Bier.

Das große Geburtstagsfest, das auf den Tag der Luftfahrt Russlands fiel und Michail Kriwzow, einem sowjetischen Fliegerhelden aus dem II. Weltkrieg gewidmet war, startete am Sonntagvormittag in Devau. Zu Hunderten waren die Bewohner Kaliningrads an diesem sonnigen Sommertag auf das ehemalige Flugfeld geströmt, das nur noch von wenigen originalen Gebäuden aus den Anfangsjahren der Luftfahrt flankiert wird. Heute befinden sich dort Räumlichkeiten des Kaliningrader Fliegersportvereins.

Nach den eröffnenden Grußworten durch offizielle Vertreter des Kaliningrader Gebietes, der Stadt Kaliningrad, der DOSAAF sowie der ausländischen Gäste wurden den zahlreichen Besuchern unter anderem eine Motocross- und Militärtechnik-Show sowie Fallschirmabsprünge dargeboten. Eine Fotostrecke, die von Walerij Zwetkow, pensionierter Flughafenmitarbeiter Kaliningrads, vorbereitet worden war, zeigte anschaulich die einhundertjährige Geschichte Devaus. Bei einer Flugshow präsentierten im Anschluss auch die Gäste ihr Können. So stieg zum Beispiel Werner Tommek von der Fliegerschule Rudolstadt e.V. auf und zeigte zahlreiche, für den Laien gewagt erscheinende Kunststücke. Sein Flugzeug ist bereits 60 Jahre alt. Nach einer Vorführung russischer Helikopter starteten Heinz Hartmüller aus Göppingen, Fritz und Elisabeth Vollmer aus München sowie Burkhard Zech aus Freiburg zum gemeinsamen Kiebitz-Formationsflug. Alle vier haben Hunderte Stunden in den Aufbau ihrer Maschinen investiert und sind schon öfter zusammen größere Strecken geflogen. Viele Kaliningrader nutzten parallel die Möglichkeit, alle in- und ausländischen Flieger auf dem Grasfeld aus der Nähe zu betrachten und mit den Piloten ins Gespräch zu kommen. Kinder kletterten ins Cockpit und posierten für Familienfotos.

Die deutschen Fliegerfreunde hatten auch zwei Gastgeschenke im Gepäck. Detlev Kellinghusen, ehemaliger Lufthansa-Mitarbeiter und damals zuständig für die Betreuung von Funkanlagen für die Boden-zu-Boden- sowie die Boden-Luft-Kommunikation, übergab gemeinsam mit René Lancelle je ein Funkgerät an die Fliegerkollegen in Devau und Waldau. Bereits zuvor hatte er dem Vorsitzenden des Stadtrates von Kaliningrad, Andrej Kropotkin, unter Anwesenheit des Deutschen Konsulats, der DOSAAF, des Hanse Office sowie René Lancelles ein offizielles Gastgeschenk aus dem Archiv der Deutschen Lufthansa überreicht.

Das internationale Flieger-Wochenende fand seinen Abschluss in einem gemeinsamen Abendessen direkt auf dem Flugfeld. Dank an alle Organisatoren und Helfer, die zum Gelingen dieses unvergesslichen Events beigetragen haben. Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen in Kaliningrad.

Alexandra Jelitte




Devisenkurse: 08. 11. 2019
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Quelle:Russ. Zentralbank