Stadt und Menschen
31. 05. 2019
Ein Mann, der Sterne sprechen lässt
Unser Mitbürger Walerij Sytkin hat sich auf dem Dach seines Hauses eine Sternwarte eingerichtet. Sein Hobby sind die Beobachtung und das Fotografieren von Sternen und sonstigen Himmelskörpern.

Hobbyastronom Sytkin fotografiert Sterne und Galaxien, die von unserem Planeten Abertausende und Millionen von Lichtjahren entfernt sind. Foto: privat
Sytkins Aufnahmen, die mit Hilfe eines Teleskops entstanden sind, haben den Reporter der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ Alexander Kateruscha tief beeindruckt.

Seit seiner Kindheit schwärmt Walerij Sytkin für Sterne und Planeten. Als Schüler besuchte er eine Arbeitsgemeinschaft für Astronomie im Haus der Jungen Techniker in Kaliningrad. „In der sechsten Klasse habe ich dort stundenlang herumgehangen, las viel über Astrophysik und wollte einen Beruf mit Sternenkunde wählen“, erzählt der Hobbyastronom. „Wir nahmen damals an Kosmonautik-Wettbewerben auf Landesebene und an Ausstellungen auf dem Gelände der Allunionsausstellung in Moskau teil. Auch haben wir das Astronomische Sternberg-Institut besucht, wo ich zum ersten Mal Fotografien des Firmaments gesehen habe.“

Lange Zeit war Walerij Sytkins Hobby auf das Lesen von Fachbüchern und -zeitschriften sowie das Konsumieren von populärwissenschaftlichen Sendungen beschränkt. „Doch dann kam endlich die Zeit, wo ich mir spezielle Beobachtungsgeräte kaufen konnte: Anfang der 2000er Jahre mein erstes Teleskop. Erst danach ging es richtig los! Besonders das Fotografieren der Sterne fasziniert mich. Das kommt wohl davon, dass ich den Menschen nicht nur erzählen, sondern auch konkret zeigen kann, was ich selbst beobachtet habe.“

Walerij Sytkins erste Aufnahmen von Himmelskörpern stammen aus dem Jahr 2012. Sie zeigen die Sonne, den Mond, die Planeten und deren Satelliten. Das seien die am leichtesten zu fotografierenden Himmelskörper. Später beschloss er, das Objektiv seiner Fernrohrkamera auf sogenannte Deep-Sky-Objekte, d. h. Objekte außerhalb unseres Sonnensystems wie ferne Galaxien, Sternansammlungen und Gasnebel zu richten. Dazu waren jedoch präzisere Geräte notwendig.

Sytkin hatte lange Zeit von einem eigenen Observatorium geträumt, bis er seinen Traum verwirklichen konnte. Grund war, dass er seine bis zu 70 kg schwere Ausrüstung mit Teleskop, Dreifuß und Drehmechanismus, Fotoapparaten, Fokussier-, Mess- und Einrichtungsgeräten nicht mehr mit sich herumtragen wollte. „Mir wurde klar, dass es so nicht weitergeht, und ich beschloss, mir eine stationäre Beobachtungsstation zu bauen“, erinnert er sich.

Die Kuppel für die geplante Sternwarte stammt aus Polen. Diese ließ sich aber vor Ort nicht installieren, ohne dass man Dach und einen Teil des oberen Stockwerks von Sytkins Haus auseinandernehmen musste. Die Kuppel und die darin befindlichen Beobachtungsgeräte können ferngesteuert werden. Der Hobbyastronom muss daher nicht in die Kuppel zum Teleskop steigen, sondern bedient die Geräte per Computer von seinem Arbeitszimmer aus.

„Ich kann meine Sternwarte innerhalb von dreißig Minuten betriebsbereit machen“, sagt er. „Kurz vor Feierabend, noch vom Büro aus, lasse ich sie sozusagen warmlaufen. Komme ich dann zu Hause an, ist der notwendige Temperaturausgleich in der Kuppel erreicht und ich kann mit dem Fotografieren der Himmelskörper beginnen.“

Walerij Sytkin will seine Sternwarte noch mit einer Wetterstation ausstatten, damit die Kuppel bei Regen- oder Schneefall automatisch geschlossen und das hochempfindliche Equipment somit vor Feuchtigkeit geschützt werden kann.

Den Sternenhimmel aus der Stadt heraus zu fotografieren wird durch die zunehmende Lichtverschmutzung immer schwieriger. „In meiner Kindheit konnte ich die Milchstraße nachts vom Sportplatz unserer Schule aus sehr gut sehen. Heute ist das nicht mehr möglich, weil der Himmel nachts nicht mehr schwarz, sondern hellgrau ist“, seufzt Walerij Sytkin.

Um ein Weltraumobjekt fotografisch festzuhalten, muss man es stunden-, tage- oder sogar monatelang im Blickfeld der Kamera behalten. Das erklärt sich dadurch, dass die Kamera im Unterschied zum menschlichen Auge das Bild eines Beobachtungsobjektes im Laufe der Zeit mit immer neuen Details anreichern kann. Ein kaum sichtbares Objekt kann dadurch im Endeffekt präzise abgebildet werden. Je länger das Fotografieren andauert, desto besser wird das Bild.

Sytkin macht deshalb Hunderte von Aufnahmen eines Weltraumobjektes, von denen jede eine lange Belichtungszeit erfordert. Daraus lässt sich dann eine Farbaufnahme erstellen. Bei der fachgerechten Nachbearbeitung werden technische Mängel und Störeffekte behoben. Die Bearbeitung einer einzigen Aufnahme nimmt manchmal mehrere Tage in Anspruch, garantiert aber nicht, dass die Bemühungen des Fotografen von Erfolg gekrönt sind. Es kommt vor, dass eine zeitintensive Arbeit im Mülleimer landet und man von vorn beginnen muss.

Walerij Sytkins Aufnahmen des Sternenhimmels waren 2018 im Kaliningrader Meeresmuseum ausgestellt. Die Besucher der Ausstellung konnten darauf Gestirne betrachten, die von unserem Planeten Abertausende und Millionen von Lichtjahren entfernt sind und sich teilweise außerhalb unserer Milchstraße befinden.




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Quelle:Russ. Zentralbank