Geschichte & Gegenwart
06. 05. 2019
Von Zeppelinen und fliegenden Kisten
Schon in den 1920er Jahren gab es regelmäßige Flugverbindungen aus Devau in Königsberg nach Moskau. Die ersten Piloten waren deutsche und russische Mitarbeiter der gemeinsamen Gesellschaft Deruluft.

Das Buch “Der Flug von Königsberg nach Kaliningrad. Geschichte und Gegenwart des ältesten Flughafens Europas” von Waleri Zwetkow. ISBN 5-7406-0983-6. Der Autor des Buches war bis zu seiner Pensionierung langjähriger Mitarbeiter der Flughäfen Devau und Chrabrowo.
Namensgeber für den ersten zivilen Flughafen des damaligen Deutschlands war das ehemalige Landgut Devau im Königsberger Vorort Kalthof. Das Gelände blickt auf eine lange Geschichte militärischer Nutzung zurück. 1721 besichtigte Friedrich Wilhelm I. hier seine Regimenter. 1740 kam Friedrich der Große nach Devau. Ab 1788 wurde das Gelände zum ständigen Exerzierplatz der Königsberger Garnison.

Bis zum I. Weltkrieg befand sich eine der größten Garnisonen in Devau. Da es kaum Unebenheiten auf dem Feld gab, wurde es bald auch als Flugfeld genutzt. Es existierten eine Werkstatt, fünf Hangars, ein Schulungsgebäude und Kasernen. Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages wurde der Stützpunkt jedoch aufgelöst und die Gebäude und Anlagen bis auf wenige Ausnahmen zerstört. Bis heute gibt es noch Spuren aus dieser Zeit, allerdings in einem bedauernswerten Zustand.

Fortan interessierten sich diverse Luftverkehrsgesellschaften für eine friedliche Nutzung Devaus. Vor 100 Jahren, im November 1919, eröffnete die Luftlinie Berlin-Schneidemühl-Danzig-Elbing. Und im August 1930 ankerte sogar das Luftschiff „Graf Zeppelin“ auf dem Gelände.

Russland, das nach der Oktoberrevolution von 1917 politisch weitgehend isoliert war, suchte zu jener Zeit nach Verbündeten und fand sie in Deutschland, das unter den Folgen des Versailler Vertrages litt. Im Mai 1921 wurde ein Handelsabkommen zwischen beiden Ländern geschlossen. Die Idee zu einem russisch-deutschen Gemeinschaftsunternehmen im Bereich der Luftfahrt kam auf. Am 24. November 1921 fand die offizielle Gründung der russisch-deutschen Luftverkehrsgesellschaft Deruluft statt, die parallel von einem russischen und einem deutschen Direktor geleitet wurde. Ab Dezember wurde die Linie Moskau-Königsberg bedient. Von Ostpreußen ging es weiter per Zug nach Berlin. Insgesamt dauerte die Reise mit Flugzeug und Bahn 24 Stunden. Ab 1926 wurde dann durchgängig geflogen. Zum Ende des Jahres 1936 lief die Geschäftstätigkeit der Deruluft aus. Lufthansa und Aeroflot übernahmen die Maschinen. Die Liquidation zog sich jedoch bis ins Jahr 1941 hin und wurde wegen des Kriegsausbruchs nicht abgeschlossen.

Am 9. April 1945 nahm die sowjetische Armee den Flughafen ein. Mitte Oktober 1945 landete das erste Passagierflugzeug auf dem Rollfeld des Flughafens und bediente erneut die Route Moskau-Königsberg-Berlin. 1977 erfolgte die letzte Flugverbindung ab Devau. Fortan wurde von Chrabrowo aus geflogen. In der Vergangenheit hatte sich dort der Militärflugplatz Powunden der Deutschen Luftwaffe befunden und davor ein Ordensschloss, das im 19. Jahrhundert geschleift worden war und als Baumaterial für das Rollfeld gedient hatte.

Seit 2010 zählen die verbliebenen Anlagen von Devau als Kulturerbe des Kaliningrader Gebietes. Der seit 1986 vor Ort ansässige Sportfliegerclub richtet vom 17.-18. August 2019 den 100. Geburtstag Devaus aus. Nähere Informationen s. unten.

Alexandra Jelitte
Quelle laut Bildunterschrift


Nähere Information:

Der 100. Geburtstag Devaus wird groß gefeiert. Partner der russischen Organisatoren ist auf deutscher Seite René Lancelle, Erster Vorsitzender des Luftsportvereins Kiel e.V.

Die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins ist Partnerstadt Kaliningrads. Der passionierte Pilot Lancelle hat die Informationen über den symbolträchtigen Jahrestag dieses ältesten Verkehrsflughafens breit in Fachzeitschriften und über sein Netzwerk gestreut. Das Feedback ist groß. Anfragen zur Teilnahme gibt es bereits zahlreich aus Deutschland, aber auch aus der Schweiz und Schweden. Von dort will man eventuell sogar eine Douglas DC-3 mitbringen.

René Lancelle war selbst noch nicht vor Ort, aber schon oft ganz in der Nähe über dem Baltikum unterwegs. Nun will sein Verein mit eigenen Maschinen anreisen. Hilfestellung bei der Visaeinholung leistet die Hanse-Office Kaliningrad GmbH. Um die Genehmigungen rund um die Flugzeuge kümmert sich der regionale Sportfliegerverein DOSAAF Kaliningrad unter Vorsitz von Oleg Urbanjuk.

Das Gelände des ehemaligen Verkehrsflughafens Devau, auf dem auch noch einige der historischen Gebäude existieren, befindet sich mittlerweile zentral innerhalb der Stadtgrenzen Kaliningrads und ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Während der gemeinsamen russisch-deutschen Feierlichkeiten am 17. und 18. August 2019 soll es unter anderem Flugshows, Kunstflug und Fallschirmsprünge geben. Des Weiteren werden laut Seite des Veranstalters http://devau100.ru/ historische Flugzeuge und Technik gezeigt. Auch ein Konzert steht auf dem Programm.

Geplant ist eventuell an einem der Veranstaltungstage auch eine Landung einiger Maschinen in Neutief bei Baltijsk (ehem. Pillau) auf der Frischen Nehrung. Die russischen Partner würden dazu die Infrastruktur entsprechend herrichten, berichtete René Lancelle. Auch der Anflug von Wasserflugzeugen ist im Gespräch.

Für Anfragen und Kontaktaufnahme ausländischer Piloten: René Lancelle, Telefon +49 (172) 4508696 r.lancelle@t-online.de

Organisator auf russischer Seite: Oleg Urbanjuk, DOSAAF Kaliningrad Tel. +7 909 7882255

AJ




Devisenkurse: 02. 07. 2019
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1 US$ = 62,2300 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank