Kultur
06. 05. 2019
Beherrscht Russisch in Wort und Schrift!
Das in Russland seit einigen Jahren sehr populäre „Weltweite Diktat“ fand auch im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin statt.

Russisch gilt ohnehin als schwer erlernbar, außerdem sorgt seine Rechtschreibung oft für Kopfzerbrechen. Foto: I.S.
Seien wir ehrlich: Das Tippen auf der PC-Tastatur oder einem Smartphone ist uns heutzutage geläufiger als das mühselige Schreiben mit einem gewöhnlichen Kugelschreiber. Handschrift scheint unwiderruflich in Vergessenheit zu geraten. Es ist deshalb ein einzigartiges nostalgisches Vergnügen, etwa eine Stunde lang wie ein fleißiger Schüler einen Text nach Diktat zu Papier zu bringen. Besonders, wenn es sich um einen wunderschön verfassten Text in russischer Sprache handelt, den ein Profi-Sprecher vorliest.

Von solchen und ähnlichen Gefühlen ergriffen, nahm ich mit etwa 400 anderen Freiwilligen am „Weltweiten Diktat“ im Russischen Haus in Berlin teil. Die Teilnehmer hatten ganz verschiedene Motive, hier mitzumachen.

Anna Gorelik (19 J.), Auslandsstudentin in Deutschland: „Ich lerne fleißig Deutsch. Auf Deutsch wird unterrichtet, es ist jetzt die Sprache, in der ich mich mit meinen Mitmenschen verständige. Heute aber ist mir plötzlich klar geworden, dass ich auch in meiner Muttersprache nicht hundertprozentig sicher bin...“

Igor S. (22 J.), Russlanddeutscher: „Ich habe mich dem Leben hier schon weitgehend angepasst, will aber trotzdem die Sprache, in der ich meine ersten Worte sagte, nicht vergessen.“ Igors Frau Lena (21 J.): „Bei uns zu Hause werden beide Sprachen gesprochen. Russisch gerät jedoch immer mehr in den Hintergrund. Das Diktat ist für uns eine günstige Gelegenheit, wieder einmal in die Atmosphäre der russischen Sprache einzutauchen.“

Regina Semjonowna (76 J.): „Es heißt ja, wie viele Sprachen du sprichst, so viele Leben lebst du. Ich bin Philologin von Beruf und schwärme für korrekte Rechtschreibung. Ich nehme schon zum siebten Mal an solch einem Diktat teil.“

Anneliese Pietzsch hat Russisch erst in der Schule gelernt und danach Slawistik an einer Hochschule studiert: „So ging es dann weiter, bis ich Mutter wurde, das Leben wurde schlagartig ganz anders und ich hatte so gut wie keine Gelegenheit mehr, mich im Russischen zu üben. Jetzt, Jahre danach, möchte ich einmal testen, was mir von der Sprache noch gegenwärtig ist.“

Das weltweite Diktat findet jedes Jahr statt, es ist eine Aktion für alle Interessierten, unabhängig von Alter, Nationalität oder Bildungsstand. Dies findet Anklang bei allen Liebhabern der russischen Sprache, Literatur und Geschichte – völlig egal, in welchem Land unseres Planeten Erde sie leben. 2019 wurde die Aktion „Weltweites Diktat“ in 80 Ländern der Welt durchgeführt. Daran nahmen über 200.000 Menschen teil. In Deutschland ist die Beteiligung traditionell sehr hoch, 2019 fand das „Weltweite Diktat“ in 16 deutschen Städten statt.

In diesem Jahr stellte Pawel Bassinski, Schriftsteller, Literaturhistoriker und -kritiker, den Organisatoren des Diktats einen seiner literarischen Texte zur Verfügung. In Berlin las ihn der Schauspieler des Theaters der Nationen, Weniamin Smechow, vor.

E.L.




Devisenkurse: 06. 05. 2019
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Quelle:Russ. Zentralbank