Kultur
06. 05. 2019
„Vor unseren Augen entsteht ein Theater“
Unter dem Dach des Kultur- und Geschäftszentrums der Russlanddeutschen in Kaliningrad scheint ein neues Theater zu entstehen.

Das Haus der Russlanddeutschen war zur Premiere des Mini-Stückes berstend voll. Die Aufführung wurde für Jung und Alt zum Erlebnis.
Veronika Merz wohnt in der Kleinstadt Gurjewsk (ehem. Neuhausen) bei Kaliningrad. Sie ist verheiratet und arbeitet als Managerin. Ihr Mann ist Russlanddeutscher. Diesem Umstand ist zu verdanken, dass Veronika jetzt eifrig Deutsch lernt. Sie liest deutsche Bücher und hört sich deutsche Lieder an. Mitstreiter mit demselben Hobby lernte sie im Jugendklub „RuDeKids“ des Kultur- und Geschäftszentrums der Russlanddeutschen (KGZ) in der Jaltinskaja Straße kennen. Als Veronika erfuhr, dass es dort auch eine experimentelle Theatergruppe gibt, die ein zweisprachiges Theaterprojekt umsetzt, ließ sie sich sofort auf die Liste junger Schauspieler setzen.

Anna Gorezkaja, Studentin im dritten Studienjahr an der Kant-Universität, Fachrichtung Philologie und romanisch-germanische Sprachen, hat sich dem Theaterprojekt ebenfalls angeschlossen. „Ich schwärme für Theater. Dass ich hier mitwirke, entspricht meiner persönlichen Veranlagung und bereichert mein fachliches Wissen“, sagt sie. Annas Mutter ist Russlanddeutsche, ihr Mädchenname ist Vollmer.
Viktoria Baguzkaja ist selbstständig, sie leitet eine kleine Firma und meint, ihre Mitwirkung in der Theatergruppe gibt ihr die Möglichkeit, „sich echt und voll zu entfalten und einen Anschluss an die Welt der Kunst zu finden“. „Das ist der Grund, warum ich hier bin“, sagt sie.

Diese drei Frauen und ein paar andere junge Leute aus Kaliningrad nehmen im KGZ an den „Theater-Workshops für junge Russlanddeutsche“ teil.

Projektmanagerin Maria Hennig erzählt: „Diese jungen Leute haben zunächst einen Lehrgang in einem Probestudio absolviert, das von Regisseur Boris Leinweber aus St. Petersburg geleitet wurde. Ihm stand in Kaliningrad die sehr begabte und tatkräftige Szenografin Kristina Zuberbiller zur Seite. Beide haben Vorlesungen gehalten und praktische Seminare in den Fächern Schauspiel- und Sprechkunst sowie Bühnensprache durchgeführt. Die Auszubildenden mussten danach ihr erworbenes Wissen und Können praktisch unter Beweis stellen. So entstand die Mini-Vorführung ,Wenn Liebe so zufällig kommt...’. Dem Mini-Stück liegt die Liebeslyrik russischer Literaturklassiker mit deutschen Wurzeln, wie Block, Zwetajewa, Fet und Gippius, zugrunde. Die Verse, die dabei von Schauspielern auf der Bühne rezitiert werden, haben viel mit Tschechows Dramen gemein. Gerade das wollte der Regisseur erreichen. Sein Ziel war, Dichtung und Prosa miteinander zu verbinden und ein Werk zu kreieren, in welchem Sprachen und Kulturen miteinander verschmelzen sollten.“

Die Laiendarsteller haben auf der Bühne so selbstvergessen und mit solcher Hingabe gespielt, dass die Zuschauer sie mit lang anhaltendem Beifall belohnten. Die Szenografin Kristina Zuberbiller äußerte die Vermutung: „Es könnte sein, dass jetzt vor unseren Augen ein neues junges Theater entsteht. Ideen für ein weiteres schöpferisches Wirken haben wir genug.“

Für die musikalische Begleitung der Vorführung sorgte die Gesangsgruppe „Königsberger Marzipan“ unter der Leitung von Tamara Tischina.

Der „Königsberger Express“ nimmt sich vor, seine Leser über die weiteren Aktivitäten des KGZ und seines jungen Theaters auf dem Laufenden zu halten.




Devisenkurse: 06. 05. 2019
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Quelle:Russ. Zentralbank