Schlaglichter
28. 12. 2018
Vandalen vergriffen sich an Kant
Ende November 2018 wurde in Kaliningrad ein Akt des Vandalismus verübt. Unbekannte Täter haben das Kant-Denkmal vor dem Universitätsgebäude am ehemaligen Paradeplatz mit Farbe beschmiert.

Dieses von Christian Rauch erschaffene Kant-Denkmal schmückt das Gelände vor dem Universitätsgebäude auf dem ehemaligen Parade-Platz. Foto: I.S.
Am Tatort wurden des Weiteren Flugblätter gefunden mit dem Aufruf an Studierende, „sich mit dem orthodoxen Kreuz vom Feindesnamen Kant loszusagen“. Kant habe „das russische Land, welches ihn aufgenommen hat, verraten“. „Reißt die Gedenktafeln herunter, radiert den wesensfremden Namen aus euren Matrikeln weg“, war weiterhin zu lesen.

Der Reporter von „newkaliningrad.ru“ berichtete vom Ort des Geschehens, dass sich die Farbe, mit der das Denkmal beschmiert worden war, wahrscheinlich in einer Kognak-Flasche der Marke „Altes Königsberg“ befunden habe. Entsprechende Glasscherben seien auf dem Boden neben dem Denkmalsockel verteilt gewesen.

Die Justizbehörden leiteten eine Ermittlung ein. Laut Medien gebe es angeblich an der Kant-Universität seit Jahren eine Bewegung, deren erklärtes Ziel es sei, den Namen des großen Philosophen aus dem Universitätsnamen zu streichen. Dass viele Kaliningrader auch noch den Flughafen Chrabrowo nach Kant benennen wollten, muss die Aktivisten dieser Bewegung noch mehr verärgert haben. Sie halten diese Idee für unpatriotisch.

In einer öffentlichen Abstimmung, in der es darum ging, nach welcher großen Persönlichkeit der Kaliningrader Flughafen Chrabrowo zusätzlich benannt werden sollte, hatte Kant tatsächlich lange Zeit vorn gelegen, bevor er von der russischen Kaiserin Elisabeth überholt worden war. Einige Abgeordnete der Staatsduma brachten zum Ausdruck, dass man Kants Namen lieber nicht auf die Abstimmungsliste hätte setzen sollen. Später wurde bekannt, dass beim oben beschriebenen Akt des Vandalismus in Kaliningrad nicht nur das Denkmal, sondern auch das Grab des Philosophen am Königsberger Dom beschmiert worden war. Dies hat die Leiterin des Domes Vera Tariwerdijewa in Facebook gepostet.

Mittlerweile erinnert nichts mehr an die aktuellen Vorfälle am Kant-Denkmal und -Grabmal. Die Farbe ist entfernt worden, obwohl sich dies als schwierig erwies, da das Gemisch durch eine spezielle Zusammensetzung tief in die Gesteinsstruktur eingedrungen war. Dafür haben viele Kaliningrader Bürger an beiden Orten Blumen niedergelegt, so als ob sie sich für ihre Landsleute entschuldigen wollten.

Was die Abstimmung für einen zusätzlichen Namen des Flughafens Chrabrowo betrifft, hat die russische Kaiserin Elisabeth den Philosophen Kant letztendlich doch überrundet. Für sie wurden 49.100 Stimmen bzw. 34 Prozent aller Stimmen abgegeben, für Kant 39.018 bzw. 27 Prozent der Stimmen. Die endgültige Entscheidung behält sich jedoch Präsident Putin vor, wie unlängst per Gesetz festgelegt wurde.

Dieser „Überfall“ auf Kant ist nicht der erste dieser Art. Unter den Aufschriften von sowjetischen Soldaten 1945 am Grab des Philosophen hatte die bekannteste den Wortlaut: „Hast du jetzt begriffen, dass die Welt materiell ist?“




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Quelle:Russ. Zentralbank