Kultur
28. 12. 2018
Klein, aber fein
Sollten Sie über kurz oder lang der Stadt und dem Gebiet Kaliningrad einen Besuch abstatten wollen, so lohnt es sich durchaus, auch abseits der bekannten touristischen Routen auf Entdeckungsreise zu gehen.

Jelena Toropowa, Gründerin des Museums, lebt mit Mann Pjotr und Tochter Alexandra seit zehn Jahren für das Marzipan, genauer gesagt, für das berühmte Königsberger Marzipan. Foto: I.S.
Tipp Nr. 1:

Das Marzipanmuseum in Kaliningrad
ul. Asowskaja 4, Kaliningrad, im Park „Junost“. Geöffnet Sa + So 12-17 Uhr sowie nach Vereinbarung, Webseite: www.marzipanmuseum.ru
E-Mail: toropa@list.ru

Bereits seit zehn Jahren lebt Jelena Toropowa mit Mann Pjotr und Tochter Alexandra für das Marzipan, genauer gesagt, für das berühmte Königsberger Marzipan. Die einstmals weit über die Stadtgrenzen bekannte und beliebte Süßigkeit und eines der Markenzeichen von Königsberg i.Pr. verschwand mit Rezeptur und Herstellern nach Kriegsende aus der Stadt. 2011 gründeten die Toropows das Marzipanmuseum, das sich seit Sommer 2017 in einem Gebäude des Vergnügungsparkes „Junost“ befindet. Jahrelang war die Familie auf der Suche nach dem Originalrezept, verfeinerte, schmeckte ab. Das Besondere am Königsberger Marzipan ist, dass es immer geröstet wird.

Als touristisches Highlight kann der Museumsbesucher die in einem Café vorgefertigten Rohlinge aus Mandeln, Zucker und Rosenwasser eigenhändig mit Lebensmittelfarbe bemalen und dann mitnehmen. Die Formen der Marzipanmasse richten sich dabei nach Jahreszeit und Feierlichkeiten. Zum Jahresende waren es vor allem weihnachtliche Motive, die verwendet wurden. An diversen Workshops nahmen zahlreiche Interessenten teil.

Meister im Bemalen ist Pjotr Toropow. Der preisgekrönte Künstler hat gemeinsam mit Frau und Tochter an vielen Ausstellungen in ganz Russland bis Sibirien teilgenommen. Im Museum sind einige dieser Themenreihen zu bewundern, wie z.B. die Sehenswürdigkeiten von Königsberg/Kaliningrad und Sternzeichen. Auf Wunsch können auch eigene Motive bestellt werden.

Das Museum bietet genug Platz auch für Gruppen, die sich künstlerisch betätigen wollen. Bitte melden Sie sich jedoch vorher per Mail an, um genügend Marzipanrohlinge vorbereiten zu können.


Tipp Nr. 2:

Das Regionalmuseum Bagrationowsk (ehem. Preußisch Eylau)
ul. Kaliningradskaja 10, Bagrationowsk, Tel. +7 401 56 320 84, www.bmik.su
geöffnet Di-So 11-17 Uhr, mehrmals pro Tag Busverbindungen ab Busbahnhof Kaliningrad

Im 1901 erbauten ehem. Kreishaus von Preußisch Eylau, heute Bagrationowsk, sind auf 200 qm zahlreiche Informationen, Ausstellungsstücke und Fotos zur reichhaltigen Geschichte des Ortes und der Region zusammengetragen worden. Beginnend vom Deutschen Ritterorden, dessen Ordensburg noch heute am Ortsausgang thront (siehe KE vom September 2018), wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Schlacht von 1807 zwischen den russischen Truppen und den französischen Truppen unter Napoleon gelegt, die mit großen Verlusten auf beiden Seiten einherging, jedoch ohne eindeutiges Ergebnis endete.

Weitere der insgesamt 4000 Exponate stehen im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen des 1. und 2. Weltkrieges, dem Leben der ostpreußischen Bevölkerung und informieren auch über das ehemalige Kriegsgefangenenlager Stalag I A für v. a. polnische, belgische und französische Gefangene, das 1939 ganz in der Nähe auf einem Truppenübungsplatz eingerichtet wurde. 1946 wurde Preußisch Eylau zu Ehren des bei der Schlacht 1807 in russischen Diensten stehenden Generals Bagration in Bagrationowsk umbenannt. Die Ausstellung klingt aus mit dem Leben und Wirken der Neusiedler nach dem 2. Weltkrieg bis heute.

Besonders stolz ist das Museum auf einen Münzschatz aus dem 17. Jahrhundert aus dem Schloss Preußisch Eylau, Fundstücke vom Schlachtfeld von 1807 sowie Orden und Abzeichen aus Russland, Preußen und Frankreich vom Beginn des 19. Jahrhunderts. Auf Wunsch können Exkursionen durch das Museum bzw. zu den geschichtsrelevanten Orten der Stadt bestellt werden.


Tipp Nr. 3:

Das Geschichts- und Architekturmuseum „Rantawa“ in Pionerskij (ehem. Neukuhren)
ul. Armejskaja 6, Pionerskij, Tel. +7 401 55 212 79, http://rantawa.ucoz.com
geöffnet Di-So 10-18 Uhr, mehrmals pro Tag Busverbindungen ab Busbahnhof Kaliningrad

Kernstück des Museums in einem der sanierten Kapitänshäuser der ehemaligen sowjetischen Fischfangflotte sind Fundstücke, die bei Ausgrabungen von einer Gruppe von Archäologen der Russischen Akademie der Wissenschaften unter Leitung von Wladimir Kulakow in den 1980er und 1990er Jahren bei Pionerskij gefunden wurden.

Es handelt sich hierbei um eine Begräbnisstätte der alten Prußen, die vom 3. bis zum 12. Jahrhundert genutzt wurde. Auf einer Kopie eines Ringes sind z. B. die Fürstenbrüder Bruteno und Wiedewut dargestellt.

Bei den Ausgrabungen stieß man seinerzeit außerdem auf eine Art Tempel, der aus dem 2. Jahrtausend vor unserer Zeit datiert. Des Weiteren werden den Besuchern Exponate aus der Epoche des Aufblühens des Römischen Imperiums und des Großen Bernsteinweges aus dem frühen Mittelalter sowie ein großer Bernsteinschatz gezeigt, der auf dem Territorium des archäologischen Denkmals gefunden wurde. Zu den meisten der Exponate werden die Informationen auch auf Deutsch angegeben.

Aber auch die jüngere Geschichte des Kurortes Neukuhren, der „Perle an der Ostseeküste“, wird erzählt. Ein Sammler hat dem Museum zeitweise eine große Anzahl von Postkarten mit alten Motiven des Ortes überlassen, deren Texte auf den Rückseiten interessante Details aus dem Alltag der ehemaligen Bewohner und Gäste von Neukuhren preisgeben.

Einige dieser Motive zeigen auch die Kasernen des ehemaligen Fliegerhorstes Neukuhren, dessen Reste für den Bau eines großen Gästehauses der russischen Regierung beräumt wurden. In einer Vitrine liegt ein Brief eines der Flugschüler aus dem Jahr 1940, in der er von den Launen des Winters und dem Ort berichtet. Außerdem werden weitere Exponate aus der Fliegerschule gezeigt.

Die schweren Kämpfe zum Ende des 2. Weltkrieges sowie das Wiederaufleben der Fischfangflotte in sowjetischen Zeiten, aber auch deren Sterben im schwierigen Umbruch der 1990er Jahre bilden den Abschluss der Exposition. Der einstmals blühende Hafen soll durch die aktuellen Baumaßnahmen (siehe KE vom Oktober 2018) zu neuer Bedeutung gelangen.

Ein Spaziergang durch den Ort hinunter zum Hafen lohnt sich. Interessant ist dabei auch zu beobachten, wie das Meer gegen den Menschen ankämpft und welche Maßnahmen zum Schutz der Küste getroffen werden.

Alexandra Jelitte




Devisenkurse: 31. 05. 2019
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1 US$ = 65,3800 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank