Kultur
28. 12. 2018
Hauptmanns „Vor Sonnenuntergang“ uraufgeführt
In Kaliningrad kam erstmals Gerhart Hauptmanns (1862-1946) Schauspiel „Vor Sonnenuntergang“ zur Aufführung.

Schauspieler und Regisseur (rechts) der KvARTiranty nach der Uraufführung von Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenuntergang“. Foto: Alexandra Jelitte
Albert Michailow inszenierte das 1932 im Deutschen Theater Berlin uraufgeführte Schauspiel des Literaturnobelpreisträgers von 1912 mit fünfzehn Laienschauspielern seiner Theatertruppe KwARTiranty in den Räumlichkeiten des Museums „Altes Haus“.

Michailow, der seit 45 Jahren das Literaturtheater Kaliningrad leitet und im Gebäude der ehemaligen Börse im Kulturpalast der Matrosen ansässig war, musste dieses mit seinen Schauspielern im Sommer vergangenen Jahres zugunsten des neu geschaffenen Museums der Bildenden Künste verlassen.

Derzeit logiert man als Zwischenlösung in einem ehemaligen TV-Studio in der ul. Bassejnaja, jedoch ohne Bühne, und hofft auf die angekündigten Arbeiten der Stadt zur Schaffung eines neuen, intakten Theatersaales. In der aktuellen Situation wurde als experimentelle Theatertruppe des Literaturtheaters das Ensemble KwARTiranty gegründet, was man in etwa mit „Untermieter“ übersetzen kann.

Untermieter war man zum Jahresende im Museum „Altes Haus“ in Kaliningrad, das sich für das Familiendrama in fünf Akten mit seinen geradezu authentischen Räumlichkeiten einer Wohnung des Großbürgertums zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Königsberg anbot. Und so kam das Stück „Vor Sonnenuntergang“ hier an drei Tagen zur Aufführung. Die jeweils 35 Zuschauerplätze waren schnell besetzt, daher wird aktuell an einer Wiederaufnahme Anfang dieses Jahres gearbeitet.

Ausgangspunkt im Schauspiel ist die Liebesbeziehung des 70-jährigen Geheimrats und Witwers Matthias Clausen mit der wesentlich jüngeren Inken Peters. Die Familie Clausens stellt sich jedoch gegen das Familienoberhaupt. So fürchtet Tochter Bettina um ihre enge Bindung zum Vater. Schwiegersohn Erich Klamroth will seinen Posten im Unternehmen Clausens nicht verlieren. Die gesamte Familie sieht ihr Erbe in Gefahr, da der Geheimrat verkaufen und mit Inken in die Schweiz gehen will. Letztendlich treiben die Intrigen von Familie und Umfeld Clausen in den Suizid.

Albert Michailow und sein Literaturtheater, zu dem ca. 40 Laienschauspieler zählen, waren schon oft zu Gastspielen im Ausland und sind auch in Deutschland bekannt. Derzeit überarbeitet er Michail Bulgakows Stück „Adam und Eva“, das knapp 90 Jahre lang kein Theater aufgeführt hat. Auch gibt es Pläne, den „Hofmeister“ von Jakob Michael Reinhold Lenz in der Überarbeitung von Bertolt Brecht mit seiner Handlung im ehemaligen Insterburg, heute Tschernjachowsk, auf die Bühne zu bringen.

Es ist zu hoffen, dass das Theater bald würdige Räumlichkeiten für die Fortsetzung seiner so wichtigen kulturmittlerischen Arbeit, an der zahlreiche Menschen mit großem Spaß und Engagement beteiligt sind, findet.

Alexandra Jelitte




Devisenkurse: 28. 02. 2019
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Quelle:Russ. Zentralbank