Geschichte & Gegenwart
30. 11. 2018
Wer kennt Fritz Drinkmann und Helene Hennig aus Wedereitischken/Sandkirchen?
Unsere freie Mitarbeiterin Alexandra Jelitte hat bei ihren Erkundungen in Kaliningrad und Umgebung eine alte deutsche Urkunde entdeckt.

Die Urkunde über die Eheschließung von 1929. Wir würden uns freuen, Informationen zum damaligen Brautpaar oder zu Bewohnern der Ortschaften zu erhalten. Foto: Autorin
Als ich unlängst an einem Samstag auf Entdeckungstour durch Kaliningrad unterwegs war, kam ich mit einer Frau ins Gespräch, die im Garten arbeitete. Kurz darauf eilte sie ins Haus, um mir eine alte deutsche Urkunde über eine Eheschließung im Jahre 1929 zu zeigen und mich zu fragen, was denn wohl der Inhalt dieses Dokumentes sei, das ihre Tante 1946 bei der Übersiedlung aus dem Gebiet Woronesch in ihrem neuen Haus in Timofejewo (ehem. Wedereitischken, 1938-1945 Sandkirchen) im Rayon Krasnosnamensk vorgefunden hatte.

Ihre Verwandte hielt die Urkunde an der Wand all die Jahre in Ehren, ohne zu wissen, was darauf stand. 2006 starb sie, das Haus ist mittlerweile verkauft, aber die Erben, Familie Deschewych aus Kaliningrad, bewahren das Dokument weiter auf und würden sich freuen, dieses an die Nachkommen des Brautpaares überreichen zu können.

Der gedruckte und handschriftliche Text auf dem Dokument lautet wie folgt: Zum Andenken an die Vermählung. Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen, Joh. 24, 15. Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes haben Fritz Drinkmann und Helene Hennig den Heiligen Ehebund geschlossen und sind am 20. Dezember 1929 in der Evangelischen Kirche zu Budwethen (evtl. Budwischken?) getraut worden. E. Gatz, Pfarrer. Trauspruch Röm. 12 V. 12. Links unten auf der Urkunde befindet sich der Aufdruck „Gedenkblatt Nr. 33c“, rechts unten „Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 26“. Die Hintergrundfarbe ist in Grüntönen mit Gold gehalten. Das Bild in der Mitte scheint ein Foto zu sein mit einer weißen Jesusfigur vor schwarzem Hintergrund.

Eugen Gatz war von 1928 bis 1934 Pfarrer in Budwethen (heute Malomoschajskoje). Von 1938-1946 hieß der Ort Altenkirch. Seit einem Feuer in den 1990er Jahren existieren nur noch Ruinenreste der Kirche. Die ehemalige evangelische Kirche im heutigen Timofejewo jedoch steht noch. Sie diente in sowjetischen Zeiten als Lagerraum und ist Anfang der 2000er Jahre von der russisch-orthodoxen Kirche übernommen und restauriert worden. Das erwähnte Rauhe Haus wurde 1833 als Stiftung der Diakonie in Hamburg gegründet.

Das Haus in Timofejewo befindet sich gemeinsam mit zwei anderen im Zentrum des Ortes und hat drei Zimmer. Ein Straßenname existiert nicht. Gegenüber gab es einen Laden. Zum Haus gehörten 12 Ar Land und ein Brunnen. Im Hausinneren führte eine kleine Treppe nach oben. Es gab ein großes Zimmer, eine Küche, neben deren Ofen die gerahmte Urkunde hing, ein größeres, ca. 12 qm großes Zimmer und ein Schlafzimmer mit zwei Betten aus einem Eisengestell, so der Stand bei Verkauf. Fenster, Treppe etc. waren noch im Originalzustand.

In den 1990er Jahren kam eine Dame aus Deutschland zu Besuch, die vermutlich von 1911 bis 1941 gegenüber gewohnt hat. Sie brachte ein altes Foto mit, auf dem sie als kleines Kind mit ihren Geschwistern sowie der Mutter und Großmutter zu sehen ist. Außerdem sind die genannten Jahreszahlen aufgetragen.

Sollten Sie über Informationen zum Brautpaar verfügen, schreiben Sie uns bitte unter express@kanet.ru

Alexandra Jelitte




Devisenkurse: 30. 11. 2018
1 EUR = 75,7500 Rbl
1 US$ = 66,5300 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank