Geschichte & Kultur
30. 11. 2018
„Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“
Diese Prophezeiung Heinrich Heines von 1821 bewahrheitete sich 1933 in vielen Städten des damaligen Deutschen Reiches.

Schriftsteller Michael Paul bei seiner Lesung und Jelena Gromowa, Projektkoordinatorin des Goethe-Instituts St. Petersburg in Kaliningrad. Foto: Autorin
Am 10. Mai fanden symbolische Bücherverbrennungen der von den Nationalsozialisten gehassten Autoren statt, so auch im damaligen Königsberg. Bibliotheken und Buchhandlungen waren in der Folge landesweit angehalten, ihre Bestände „von Schmutzliteratur“ zu reinigen. Hier setzt die Handlung des neuen historischen Romans von Michael Paul „Das Haus der Bücher“ ein, aus dem er am 9. November in der vollbesetzten Bibliothek des Königsberger Doms vortrug. Der Termin der Lesung war eher zufällig auf diesen geschichtsträchtigen Tag gefallen, der symbolhaft für zahlreiche Ereignisse in der deutschen Vergangenheit steht.

Am 9. November 1938 fanden die von der NSDAP gelenkten Pogrome ihren Höhepunkt in der Plünderung von jüdischen Geschäften, der Zerstörung von Synagogen und der Ermordung unschuldiger Menschen. Doch bereits 1933 hatte sich der nationalsozialistische Terror gegen unliebsame, nicht nur jüdische Autoren gewandt.

Auch die damals größte und modernste Buchhandlung Europas Gräfe und Unzer im alten Königsberg musste ihre Bestände überprüfen. 1722 als Buchhandlung Gottfried Eckart gegründet, firmierte sie seit 1832 unter dem Namen der früheren Eigentümer aus dem 18. und 19. Jahrhundert Gräfe und Unzer. 1922 wurde das 200-jährige Bestehen in den neuen Geschäftsräumen am ehemaligen Paradeplatz gefeiert.

Michael Paul hat im Vorfeld zu seinem Roman intensiv vor Ort und im Firmenarchiv von Gräfe und Unzer recherchiert. Er lässt das „Haus der Bücher“ detailreich vor dem geistigen Auge des Lesers wiedererstehen und führt ihn mitten in den Konflikt der Protagonisten, möglichst viele der 1933 verbotenen Bücher vor der Vernichtung retten zu wollen. Ob ihnen das gelingt, erfährt der interessierte Leser auf fast 500 Seiten dieses spannenden Werkes mit dramatischen Geschehnissen und voller historischer Realität, jedoch frei erfundenen Handlungen und Personen, so Jan Wiesemann vom Verlag Gräfe und Unzer mit heutigem Sitz in München. Das während der britischen Bombardements Königsbergs 1944 komplett zerstörte Haus entwickelte sich nach Ende des II. Weltkriegs zu einem Buchverlag und hat sich heute in der bayerischen Hauptstadt als Marktführer im deutschsprachigen Ratgebermarkt etabliert.

Alexandra Jelitte

Michael Paul „Das Haus der Bücher“; ISBN 978-3-947081-00-4; 16,99 EUR




Devisenkurse: 30. 11. 2018
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Quelle:Russ. Zentralbank