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30. 11. 2018
Ein Zeichen von Gerechtigkeit und Hoffnung
Das jüdische Gebetshaus hat nach sieben Jahren Bauzeit seine Pforten in Kaliningrad geöffnet.

Der Neubau ist keine genaue Replik der alten Königsberger Synagoge, sondern wurde „von ihr inspiriert“. Die Königsberger Vorgängerin war um ca. zehn Meter höher und flächenmäßig etwas größer. Foto: I.S.
Die Geschichte der Neuen Synagoge in Königsberg begann 1894, als auf einem von der jüdischen Gemeinde erworbenen Grundstück in der Lindenstraße die Grundsteinlegung stattfand. Zwei Jahre später stand die Synagoge bereits, sie war 46 Meter hoch und somit eines der größten und schönsten jüdischen Gebetshäuser in Deutschland. Am 25. August 1896 wurde es eingeweiht und stand seitdem für alle Bürger jüdischen Glaubens offen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es in Deutschland und Österreich zu massenhaften antijüdischen Pogromen, die in die Geschichte als „Reichskristallnacht“ eingegangen sind. Die Königsberger Synagoge wurde ebenfalls zerstört und in Brand gesteckt. Die gesamte innere Ausstattung, die philosophische Bibliothek der jüdischen Gemeinde und das nebenan gelegene jüdische Waisenhaus wurden Opfer der Flammen.

Am 17. Oktober 2011 erfolgte in Kaliningrad die Grundsteinlegung einer Synagoge an derselben Stelle, wo in Königsberg ihre historische Vorgängerin gestanden hatte. Sieben Jahre später, am 8. November 2018, war es endlich soweit: Das jüdische Gebetshaus in der Oktjabrskaja-Straße öffnete seine Pforten.

An der feierlichen Einweihungszeremonie für die neue Synagoge nahmen der stellvertretende Vertreter des Präsidenten im Föderalkreis Nord-West Russlands Roman Balaschow, der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland Michael Roth, der Botschafter Deutschlands in Russland Rüdiger Freiherr von Fritsch, der Botschafter Israels in Moskau Harry Koren, Diplomaten aus Polen und Litauen sowie der Oberrabbiner Russlands Berel Lazar teil. Gouverneur Anton Alichanow erschien, trotz des hohen Ranges der anwesenden Gäste, nicht zur Einweihung. Statt seiner kam der Vizepremierminister Garri Goldman.

Nachdem das „rote Band“ feierlich durchtrennt worden war, gab es zahlreiche Ansprachen, von denen die von Michael Roth nach Meinung vieler Anwesender am symbolträchtigsten war. Roth sprach von der historischen Verantwortung für den Holocaust, von gemeinsamer Erinnerung und Versöhnung, er bezeichnete die Eröffnung der Synagoge in Kaliningrad als Hoffnungszeichen und brachte eine tiefempfundene Entschuldigung für Schmerz und Leiden vor, die jüdischen Menschen durch Rassenhass und Rassenwahn in Nazideutschland zugefügt worden sind.

Der Zeremonie wohnten laut Medienangaben ca. 1.200 Menschen bei, unter denen bei weitem nicht alle jüdischen Glaubens waren. Viele von ihnen hatten im Inneren der Synagoge, wo geistliche Lieder gesungen, feierliche Reden gehalten und Gedächtniskerzen angezündet wurden, keinen Platz mehr gefunden. Sie konnten das Geschehen auf einem großen Bildschirm vor dem Gebäude verfolgen.

Wladimir Kazman, Unternehmer und Leiter des „Fonds für den Bau der Synagoge“, sagte auf der Pressekonferenz für Journalisten, dass das Gebäude der Synagoge noch einiger bautechnischer Nachbesserungen bedürfe. Die Fassade und einige Innenräume seien noch nicht ganz fertig, Gottesdienste könnten aber ohne Weiteres bereits abgehalten werden. Er selbst habe in den Bau etwa sechs Millionen Euro investiert, es gebe aber außer ihm viele weitere Geldgeber: „Jemand gab 1 Million Rubel, ein anderer 100.000 Rubel, ein Dritter spendete 500 Rubel. Ihnen allen gehört unser Dank. Wir werden uns aber weiterhin bei Stiftungen und Fonds um Fördergelder bemühen.“

Der Neubau ist keine genaue Replik der alten Königsberger Synagoge, sondern wurde „von ihr inspiriert“. Die Vorgängerin war um ca. zehn Meter höher und flächenmäßig etwas größer. Die neue Synagoge kann sich, was Größe und Ausstattung betrifft, dennoch sehen lassen. Sie besteht aus zwei Gebets- sowie mehreren Ritual- und Festlichkeitsräumen, einem Lesesaal, einem Wohltätigkeitszentrum und mehreren Räumlichkeiten, die für die Unterbringung eines Kindergartens und einer Schule bestimmt sind. Der Zugang in die Synagoge ist für alle frei.

Neben der Synagoge plant man, einige weitere Gebäude zu errichten, darunter ein Hotel und ein Restaurant mit dem Namen „Der Geiger auf dem Dach“. Dadurch soll ein gesellschaftlicher und kultureller Raum entstehen, in dem Jazz-Festspiele, Musikkonzerte, Theatervorstellungen. Ausstellungen und vieles andere mehr veranstaltet werden können.





Devisenkurse: 30. 11. 2018
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Quelle:Russ. Zentralbank