Kultur
31. 10. 2018
„Der Mittler zwischen Hirn und Hand muss das Herz sein“
Ein Kunstgenuss besonderer Art wurde den Besuchern am 20. Oktober im vollbesetzten Konzertsaal des Königsberger Doms geboten. Der bekannte französische Organist Jean-Baptiste Dupont begleitete die Vorführung des monumentalen deutschen Stummfilms „Metropolis“ (1927) des Regisseurs Fritz Lang an der Orgel.

Der junge französische Organist Jean-Baptiste Dupont bei der musikalischen Begleitung einer Szene aus dem Film „Metropolis“. Foto: I.S.
Dupont, Jahrgang 1979, begann mit zwölf Jahren, Orgel zu spielen. Vorher war er am Klavier ausgebildet worden. Er studierte am Konservatorium und anschließend an der Hochschule für Musik und Tanz in Toulouse und ist Preisträger verschiedener internationaler Wettbewerbe. In Kaliningrad war er nicht das erste Mal. 2009 gewann er den Publikumspreis beim „Mikael Tariverdiev“-Wettbewerb.

Dupont, der auch als Komponist arbeitet und von Musikkritikern zu den aktuell besten Künstlern der Orgelimprovisation gezählt wird, spielte sich im Königsberger Konzertsaal zweieinhalb Stunden lang zu „Metropolis“ in die Herzen der Zuhörer. Dieses weltbekannte Beispiel des deutschen Expressionismus war nach zwei Jahren Produktionszeit in den Babelsberger Filmstudios mit fast 30.000 Komparsen zu einem der teuersten Filme seiner Zeit geworden und brachte die Universum-Film Aktiengesellschaft, kurz Ufa, fast an den Rand des Ruins. Trotzdem floppte die Darstellung einer futuristischen Großstadt mit ihrer Zweiklassengesellschaft an den Kinokassen und wurde daher umgehend gekürzt und immer wieder in verschiedenen Fassungen verändert.

Bemühungen ab den 1960er Jahren, eine originale Fassung wiederherzustellen, scheiterten daran, dass man in keinem Filmarchiv fündig wurde. Erst 2008 wurde in Buenos Aires eine fast komplette Version des Filmes gefunden, die von Restauratoren der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung bearbeitet und 2010 auf den Berliner Filmfestspielen BERLINALE nach mehr als achtzig Jahren wiederaufgeführt wurde.

„Metropolis“ steht auf der UNESCO-Liste des Weltdokumentenerbes und hat in seiner Botschaft an Aktualität nichts verloren. Moderne, futuristische Architektur trennt Reich von Arm, Macht von Ohnmacht. Das Gute in Person einer Erlösergestalt siegt jedoch am Ende über das Böse in Gestalt eines Roboterwesens, denn „der Mittler zwischen Hirn und Hand muss das Herz sein“, wie es im Drehbuch des Filmklassikers heißt.

Alexandra Jelitte
Quelle: Deutsche Kinemathek




Devisenkurse: 31. 10. 2018
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Quelle:Russ. Zentralbank