Kultur
31. 10. 2018
„Sei mir gegrüßt, du ewiges Meer!“
Unter der Schirmherrschaft des Deutschen Generalkonsuls in Kaliningrad Dr. Michael Banzhaf werden im Ausstellungszentrum Swetlogorsk des Museums der Weltmeere Kaliningrad 46 originale Ölgemälde des deutschen Impressionisten Poppe Folkerts (1875-1949) gezeigt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. Dezember 2018 in Swetlogorsk zu sehen. Ein Katalog ist auf Russisch und Deutsch an der Museumskasse erhältlich. Foto: Autorin
Die sachkundigsten Kritiker maritimer Malerei sind nicht etwa Künstler oder Galeristen, sondern Seeleute. Wird durch sie die Darstellung von Wellen, Wind und Wolken als realistisch eingestuft, gebührt dem Maler alle Ehre. So geschehen bei Poppe Folkerts, dem impressionistischen See- und Landschaftsmaler von der Nordseeinsel Norderney, berichtet der Kurator der Ausstellung, Pavel Matviets. Der studierte Kunsthistoriker mit Spezialisierung auf maritime Kunst war bei Recherchen zu Seemalern mit Bezug zu Königsberg auf Literatur über Folkerts gestoßen und hatte Kontakt mit den Autoren und dem Heimatort des Künstlers aufgenommen.

Poppe Folkerts wurde 1875 auf Norderney geboren und nahm dort im Alter von 15 Jahren eine dreijährige Maler- und Glaserhandwerkslehre auf. Im Anschluss begab er sich auf Wanderschaft nach Köln, Frankfurt/Main, Hamburg und Berlin, in deren Museen er die Werke verschiedener Marinemaler kennenlernte. In der Berliner Kunstakademie studierte Folkerts ab 1897 in der Meisterklasse bei Professor Carl Saltzmann, später bei Friedrich Kallmorgen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts unternahm er zahlreiche Studienfahrten an Bord kaiserlicher Schiffe. Zwischen 1903 und 1905 war Poppe Folkerts dann Meisterschüler bei Professor Ludwig Dettmann an der Königsberger Akademie der Künste und bezeichnete diese Jahre später als die schönsten seines Lebens. Er kam mehrfach zu Malaufenthalten in die Region zurück. 1913 entstand auf Norderney sein Turm-Atelier mit Wohnhaus, von den Inselbewohnern „Malerturm“ getauft. 1940 beschlagnahmte jedoch die Wehrmacht den Turm und trug ihn bis auf das Erdgeschoss ab, da er im Schussfeld einer Flugabwehrbatterie lag. Erst im Herbst 1949 konnte Poppe Folkerts in die Reste seines ehemaligen Ateliers zurückkehren und verstarb dort am 31. Dezember desselben Jahres. Wenige Tage später wurde der zeitlebens dem Meer verbundene Künstler und begeisterte Segler unter großer Anteilnahme der Bevölkerung seebestattet. Momentan denken die Nachfahren über einen Wiederaufbau des Malerturmes nach.

Zwei Jahre hat die Vorbereitung der Ausstellung „Sei mir gegrüßt, du ewiges Meer!“ gedauert. Sie ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Kultusministerium und dem Museum der Weltmeere auf russischer Seite und der Fördergemeinschaft Poppe-Folkerts-Museum Norderney, der Poppe-Folkerts-Stiftung sowie dem Enkel des Künstlers, Hayo Moroni, auf deutscher Seite. In einer speziell lichtgedämpften Ausstellungshalle der modernen Jantar-Halle Swetlogorsk wird nun erstmalig in Russland ein repräsentativer Querschnitt der Werke von Poppe Folkerts gezeigt, so die Generaldirektorin des Museums der Weltmeere, Svetlana Sivkova, und Dr. Banzhaf. Dazu gehören neben Gemälden der Seemalerei auch zahlreiche Porträts und Darstellungen italienischer Landschaften. Als Zeichner und Grafiker entwarf der Künstler außerdem die Motive für das nach dem I. Weltkrieg auf Norderney eingesetzte Notgeld.

Alexandra Jelitte




Devisenkurse: 31. 10. 2018
1 EUR = 74,4200 Rbl
1 US$ = 65,6000 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank