Kultur
05. 10. 2018
Hauptthema: „Der Künstler und die Zeit“
Die jährlichen deutsch-russischen Dokumentarfilmtage „Territorium Film“ fanden in Kaliningrad zum 8. Mal statt.

Filmprofis im Gespräch (von l. nach r.): Regisseur Malte Blockhaus, Leiter der Filmwerkstatt Arne Sommer und Dolmetscher Valerij Surodeev. Foto: Alexander Ljubin
Die Eröffnung war wieder im Königsberger Dom – erstens weil Filmmusik eines der Diskussionsthemen war und zweitens weil der Dom eine Art Kulturbrücke zwischen Deutschland und Russland ist. Nachdem die Doku-Tage für eröffnet erklärt worden waren, lief als allererste Vorführung der Stummfilm „Im Frühling“ von Michail Kaufman über die Leinwand. Die Pianistin Ulrike Haage sorgte mit ihren Improvisationen für die musikalische Begleitung des Films.

Als Forum, bei dem sich im Dokubereich tätige, russische und deutsche Filmemacher treffen und ihre Erfahrungen austauschen können, erschließt sich „Territorium Film“ immer neue Regionen und Länder. In diesem Jahr nahmen beispielsweise an den Dokufilm-Tagen in Kaliningrad Gäste aus Polen und Litauen teil.

In diesem Jahr wurden zwölf Dokumentarfilme vorgeführt, von denen nachstehend nur wenige kurz vorgestellt werden.

„Beuys“ von Andres Veiel ist der erste deutsche Dokumentarfilm, der in das Wettbewerbsprogramm der Filmfestspiele in Berlin aufgenommen wurde. Der Film handelt von Joseph Beuys, einem Künstidol der Nachkriegszeit, der sich auch als Politaktivist, Schamane und Theoretiker des Postmodernismus betätigte.

Der Film „Peter Nagel“ macht Zuschauer mit der Kunst des gleichnamigen deutschen Malers bekannt. Nagels Malerei wird der Kunstgattung „Neue Realität“ zugeordnet, die eine Art Mittelding zwischen Grafik und Fotografie ist. Der Film macht es dem Zuschauer möglich, an der Erschaffung eines einzigartigen Kunstwerkes unserer Zeit – der Fresken an den 14 Meter hohen Decken im Schulzentrum Mettenhof – virtuell mitzuwirken.

„Zwiebelfische - Jimmy Ernst in Gluckstadt - New York“ – dieser von Poesie angehauchter Film ist bei den Nordischen Filmtagen mit dem Preis „Für beste Musik“ ausgezeichnet worden. Er handelt von einer kleinen Druckerei in Glückstadt, einer kleinen Stadt an der Grenze zu Dänemark. Von Ulrikes Haages bezaubernder Musik begleitet, lässt die Kamera des Filmemachers grafische Zeichen, Fotografien und Bilder mit Textfragmenten aus den Erinnerungen von Jimmy Ernst vor den Augen des Zuschauers Revue passieren.

Es wurde auch ein Film über Klaus Fußmann gezeigt, einen bekannten deutschen Maler, der die Wahrnehmung der deutschen Ostseeküste weitgehend geprägt und beeinflusst hat. Obwohl der Stil seiner Malerei schroff, expressiv oder abstrakt und die Farbgebung nicht hell genug erscheinen mögen, strahlen seine Werke eine bewegende und magische Energie aus.

Dorota Roszkowska, Leiterin der Dokumentarfilm-Akademie und bekannte polnische Filmproduzentin, arbeitet viel mit russischen Regisseuren zusammen. Sie stellte in Kaliningrad den markanten und eigenartigen russisch-polnischen Film „Spewac“ (D: singen) der Regisseurin Olga Korotkaja vor.

Der mit viel Ironie gespickte Film „Pro Rock“ von Jewgeni Grigorjew ist ein eindruckvolles Zeitzeugnis, welches das Schicksal einer „verwirrten Generation“ dokumentiert. Die Zuschauer fühlten sich in Kaliningrad von dem Streifen derart angesprochen, dass sie seinen Autor nach der Filmvorführung mit Fragen über die technischen Aspekte des Films und das weitere Schicksal seiner charmanten Hauptfiguren überhäuft haben.

Am Rundtischgespräch „Der Künstler und die Zeit“ nahmen Filmproduzenten, Regisseure und Musiker teil. Der bekannte russische Filmproduzent und Regisseur Jewgeni Grigorjew moderierte die Diskussion. Zur Debatte stand die Frage, inwieweit die Zeit, in der ein Künstler lebt, dessen Lebenswerk beeinflusst. Sie war diesmal der brennende Punkt, vielleicht weil fast jeder zweite Film auf dem Vorführungsprogramm der Doku-Tage dem Leben und Schaffen von Künstlern gewidmet war.

Außer dem Rundtischgespräch fanden im Rahmen des Filmforums mehrere Workshops und Kreativtreffs statt, bei denen Zuschauer und Kunstliebhaber ihre Meinungen und Ideen mit Kulturschaffenden, Filmprofis und Autoren der unvergesslichen Filmstreifen austauschen konnten.

Nelli Muminowa

Zur Information: Die Dokumentarfilmtage werden im Rahmen der zwischenregionalen Zusammenarbeit durchgeführt, die zwischen dem deutschen Bundesland Schleswig-Holstein und dem russischen Gebiet Kaliningrad seit 1999 besteht. Die Veranstalter dieses Filmforums sind das Hanse-Office Kaliningrad und das Projekt CobusDoc in Kooperation mit der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein/Filmwerkstatt Kiel.




Devisenkurse: 05. 10. 2018
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Quelle:Russ. Zentralbank