Kultur
07. 09. 2018
Kunst für alle oder Zaun als Gemäldegalerie
„Ich hoffe, die Welt dadurch etwas besser zu machen“, so beantwortet Waleri Romanenko die Frage, warum er seine Bilder an der Außenseite des Zauns, der sein Wohnhaus vom Gehsteig der Katina-Straße trennt, aushängt.

Maler Waleri Romanenko vor seiner Open-Air-Ausstellung in der Katina-Straße. Foto: I.S.
In einem Interview mit dem FM-Sender „Komsomolskaja Prawda“ sagt er, wo man in Kaliningrad eine Treff- und Ausstellungsfläche für freischaffende Künstler und Kunstliebhaber, nach der Art der Fußgängerzone Arbat in Moskau, einrichten sollte. Er selbst habe in sich die Neigung zur Malerei vor etwa zwei Jahren entdeckt, nachdem er in den Ruhestand getreten war und nicht wusste, was er nun mit so viel Freizeit anfangen sollte. Insgesamt hat er seitdem über 500 Bilder zu verschiedenen Themen gemalt.

„Ich male nicht aus Ehrgeiz und schon gar nicht aus dem Wunsch heraus, dadurch Geld zu verdienen“, sagt Romanenko. „Ich male aus Spaß – nur um mir selbst zu zeigen, dass ich tatsächlich malen kann. Ich habe erst mal probeweise ein paar Bilder gemalt und sie meinen Bekannten gezeigt. Diese sagten, die Bilder seien gut. Einige Nachbarn behaupten sogar, sie stünden morgens extra ein paar Minuten früher auf, um auf dem Weg zur Arbeit meine am Zaun angebrachte Bilder etwas genauer zu betrachten. Ich fühle mich allein durch solche Worte ermuntert und motiviert, weiter zu malen. Ich möchte mich per Malerei mit anderen Leuten teilen, ihnen quasi einen Teil von mir selbst geben.“

In der Tat: Zu unfreiwilligen Besuchern der am Zaun improvisierten Gemäldegalerie werden praktisch alle Menschen, die am Romanenkos Haus in der Katina-Straße vorbeieilen. Einige verlangsamen den Schritt oder bleiben gar vor diesem oder jenem Bild stehen, um es genauer zu betrachten. „Die Leute nehmen so ein bisschen von meiner Gefühlswelt mit auf den Weg. Mir als Maler ist das der beste Lohn“, sagt Romanenko. Er lächelt und blinzelt die Journalisten des FM-Senders an – als ob er dadurch seinen Worten etwas von ihrem Ernst und Pathos nehmen möchte.




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Quelle:Russ. Zentralbank