Wirtschaft
31. 07. 2018
Bernstein: Gewinnung, Verarbeitung, Ausfuhr
Die Bernsteinindustrie, ihre Probleme und Errungenschaften standen bei einem kürzlich in Swetlogorsk durchgeführten Wirtschaftsforum zur Debatte. Am Forum nahmen Geschäftsleute, Ingenieure und Manager aus 21 Ländern teil.

Dieses besonders große Stück Bernstein wurde vor nicht allzu langer Zeit im Tagebau des Bergwerks Jantarny entdeckt. Foto: I.S.
Die Diskussionsteilnehmer vereinbarten, im Gebiet ein Industriecluster zu gründen, welches sich aus Firmen und Betrieben der Bernsteinförderung, Bernsteinverarbeitung und des sogenannten „Bernsteintourismus“ zusammensetzen soll.

Der Vereinbarung schlossen sich 26 Industriebetriebe an, die 99 Prozent des gesamten Bernsteinexportes ausmachen und 600 Menschen beschäftigen – über die Hälfte der insgesamt 1.100 Menschen, die in der regionalen Bernsteinbranche tätig sind.

Die Teilnehmer des neuen Industrieclusters versprechen sich von ihrer Vereinigung einen leichteren Zugang zu staatlichen Subventionen, die Aussicht auf eine Modernisierung ihres Maschinenparks und eine bessere Wettbewerbsfähigkeit ihrer Waren auf dem Weltmarkt.

Sie hoffen, dass ihnen dadurch mit der Rückzahlung von Krediten und dem Erwerb von neuen Maschinen geholfen wird. Sie haben sich vorgenommen, die Erhebung ihrer Erzeugnisse in den Rang von volkstümlichen Kunstgewerbeartikeln durchzusetzen, um noch mehr Chancen auf eine staatliche Unterstützung zu erhalten.

„Cluster, das ist eine gute Idee“, sagte der Generaldirektor der Firma „Souvenirs von Baltikum“, Wassilij Simonow. „Schön wäre es, wenn uns die Regierung finanziell unterstützen würde. Wir könnten dann neue Aufträge und die Importeure in China die Aussicht auf niedrigere Zollsätze erhalten – nur 10 statt 40 Prozent für Waren, die im Rahmen dieses Clusters hergestellt würden. Man käme dann viel leichter an Bernstein heran, als es beispielsweise vor zwei Jahren der Fall war.“

Die Bernsteinverarbeiter haben es jetzt in der Tat viel leichter als früher: alle Türen und Pforten stehen ihnen heute sperrangelweit offen. 2018 fand zum ersten Mal eine Auktion statt, bei der Rohbernstein tonnenweise versteigert wurde. Wobei man gleich eine größere Menge erwerben und sie danach nicht sofort, sondern auf Raten einmal monatlich bezahlen konnte.

Das Problem der illegalen Bernsteinförderung durch Privatpersonen kam im Forum auch zur Diskussion. Der Leiter des Bernsteinkombinats, Michail Sazepin, stellte fest, dass die Anzahl von aufgedeckten Vergehen dieser Art dank der Erhöhung der Geldstrafe bis 500.000 Rubel wesentlich zurückgegangen sei. Gegen einige der illegalen Bernsteingräber laufen derzeit kriminelle Strafverfahren.

Das Bernsteinkombinat, die Gebietsregierung und das Industrieministerium sind dabei, einen gesetzlichen Rahmen für sogenannte Bernsteinfischer zu erarbeiten, d.h. für Privatpersonen, die Bernstein mit Hilfe von Keschern in den Meereswellen nahe der Ostseeküste fangen oder ihn durch Tauchen vom Meeresgrund holen. Die vorherrschende Meinung läuft darauf hinaus, dass man ihnen – wenn sie dabei keine technischen Hilfsmittel anwenden und der Natur keinen Schaden zufügen – eine Lizenz doch ausstellen könnte. Das wäre dann wirklich ein gesetzliches Novum in der gesamten Bernsteinbranche.

Zur Information: 2017 wurden im Gebiet 450 Tonnen Rohbernstein an die Erdoberfläche gefördert.




Devisenkurse: 05. 10. 2018
1 EUR = 76,0500 Rbl
1 US$ = 66,2100 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank