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29. 06. 2018
„Das Stadion soll nicht zu einem ‚weißen Elefanten‘ werden“
Der deutsche Sportjournalist und WM-Reporter Holger Schmidt hat unsere Stadt besucht und seine Eindrücke und Gedanken über Kaliningrad und die Menschen hier dem „Königsberger Express“ freundlicherweise mitgeteilt.

Die Buchstaben KALININGRAD auf dem Spielfeld lassen die Fernsehzuschauer in der ganzen Welt wissen, in welcher Stadt Russland dieser Wettkampf ausgetragen wird. Foto: Markus Brütsch
Ich war im Vorfeld sehr gespannt auf Russland. Durch meinen Beruf sehe ich die Welt. Seit 2002 war ich bei jeder Fußball-Welt- und -Europameisterschaft vor Ort und auch sonst reise ich beruflich viel. So war ich unter anderem schon in der Ukraine, in Georgien, in Kasachstan oder in Weißrussland. Aber in Russland war ich noch nie. Deshalb war ich auch froh, dass ich für drei verschiedene Städte eingeteilt wurde: Kaliningrad, St. Petersburg und Kazan.

Auf Kaliningrad war ich deshalb so gespannt, weil es diese deutsche Geschichte hat, weil man einiges gehört hat und einiges weiß über die Stadt und die Region. Leider war ich im Endeffekt nur vier Tage dort. Und wir als Sportreporter sind eben auch in erster Linie da, um über den Sport zu berichten. Fußball-Spiele, Pressekonferenzen, Trainingseinheiten – das ist unser täglicher Job. Was wir dabei von Stadt und Umfeld mitbekommen, ist Bonus. Dennoch laufen wir natürlich mit offenen Augen durch die Welt. Wir informieren uns, wollen möglichst viel darüber mitbekommen, wie die Menschen dort leben.

Ich habe in Kaliningrad viele sehr freundliche Menschen getroffen. Und ich habe eine Stadt erlebt, bei der mich die Extremheit der Gegensätze überrascht hat. Es gibt viele wunderschöne Gebäude und Gegenden. Und wenige Meter weiter wohnen viele Menschen in grauen Häusern mit kaputter Fassade und verrosteten Balkonen, für die man in Westeuropa keine Wohngenehmigung mehr bekommen würde.

Das Stadion ist sehr schön geworden. Ich hoffe sehr, das es nicht zu einem „weißen Elefanten“ wird. Dass es künftig also nicht zu einer Last wird für die Stadt und ihre Menschen, weil es im Alltag nach der WM keinen wirklichen Nutzen dafür gibt.

Bewegt hat mich natürlich die Geschichte vertriebener Ostpreußen. Seine Heimat zu verlieren, muss schlimm sein. Umso schöner finde ich es, dass es eine Zeitung wie den „Königsberger Express“ gibt – der den Faden zu den damaligen Einwohnern und deren Nachkommen hält. Und dass sich Letztere dafür interessieren, was in der Heimat ihrer Eltern oder Großeltern passiert.

Ich weiß nicht, ob mich das Leben oder der Job jemals wieder nach Kaliningrad führen werden. Doch ich habe in diesen vier Tagen so viele nette Menschen getroffen, dass sie mir in guter Erinnerung bleiben werden.

Holger Schmidt, deutscher Sportjournalist und WM-Reporter




Devisenkurse: 29. 06. 2018
1 EUR = 73,0900 Rbl
1 US$ = 63,2900 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank