Umweltschutz
31. 01. 2018
Wird aus der Nehrung eine Insel?
Die Zukunft der Kurischen Nehrung macht große Sorgen. Der erste beste Seesturm könnte der einmaligen Landzunge zum Verhängnis werden.

Einmalg, ja überwältigend präsentiert sich die Kurische Nehrung aus der Luft. So sehen sie die Zugvögel, für die sie seit Jahrhunderten als Orientierungszeichen dient. Foto: I.S.
Die Vordüne am Fuße der Kurischen Nehrung erfüllt natürlich eine Schutzfunktion, sie schrumpft aber zusehends und Meereswasser beginnt dort den Wald zu überfluten.

Es fehlt wenig und der niedrigste Teil der Nehrung – ihr Fuß – kann von Wassermassen aus der Ostsee bis zum Anschluss an das Kurische Haff überrollt werden. Der Boden besteht hier größtenteils aus Torf mit einer dünnen Sandschicht obenauf. Es sind nur die Vordüne und ein paar Küstenschutzanlagen, welche die Nehrung noch eine Landzunge sein und nicht eine Insel werden lassen.

Trifft man keine Gegenmaßnahmen, so kann es wieder zu einem Zusammenschluss von Meer und Haff kommen – wie 1983, als die Nehrung infolge eines starken Seesturms drei Tage lang eine Insel gewesen war.

Damals konnten die katastrophalen Folgen des Seesturms unter Aufgebot aller Kräfte beseitigt werden. Man befestigte die Durchbruchstelle mit Küstenschutzanlagen aus Stahlbeton, auf die gebrauchte Autoreifen gestülpt wurden. Später wurden entlang der Strandlinie zusätzliche Schutzvorrichtungen in Form von Betonpfählen als Zentralteil einer künstlichen, aus Holzkörben und Sand konstruierten Vordüne eingerichtet.

2016 und 2017 wurde der Küstenschutz umgebaut: Man entfernte die Betonpfähle mit den alten Autoreifen, stellte statt ihrer am Strand dreieckige Betonklötze auf und füllte den Raum zwischen den Betonklötzen mit Findlingen.

Die Bedingungen für einen Durchbruch der Wassermassen seien dadurch jedoch nicht aus der Welt geschafft, meinen die Naturschützer aus dem Nationalpark „Kurische Nehrung“ und weisen auf das Fehlen eines ökologischen Gutachtens für diese Art des Küstenschutzes hin. „Wir mussten in dieser Situation die Fortführung der Maßnahmen zur Wiederherstellung der Vordüne zeitweilig stoppen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Nationalparks. „Ohne eine wirksame Küstenschutzanlage macht es dort keinen Sinn, eine Sanddüne aufzuschütten und sie durch biologische Bepflanzung zu befestigen.“

Die Zerstörung der Vordüne geht indes weiter. Wird dem nicht dringend Einhalt geboten, können die Folgen unabsehbar sein: Aus der Nehrung kann letztendlich eine Insel werden.




Devisenkurse: 30. 11. 2018
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Quelle:Russ. Zentralbank