Kultur
30. 11. 2017
An „Mathilde“ erhitzen sich die Gemüter
Wie kein anderes Kulturereignis hat der Spielfilm „Mathilde“ des russischen Regisseurs Aleksej Utschitel lange vor seiner Uraufführung für einen landesweiten Skandal gesorgt.

In Kaliningrad fand die Uraufführung des skandalumwitterten Spielfilms „Mathilde“ statt. Foto: I.S.
Der Film handelt vom Liebesverhältnis zwischen dem jungen Kaiser Nikolaus dem Zweiten und der Baletttänzerin Mathilde Krzesinska.

Die Frage, ob man das Privatleben des Kaisers, der 1918 im Bürgerkrieg mitsamt Frau und Kindern auf eine bestialische Weise ermordet und später heilig gesprochen wurde, zum Thema eines Spielfilms hatte machen dürfen, löste in der russischen öffentlichkeit einen heftigen Streit aus.

Vertreter der orthodoxen Kirche bezogen eine besonders starre und unversöhnliche Position. Einige Hitzköpfe, so beispielsweise die Anhänger des Vereins „Christlicher Staat, die heilige Rus“, schraken selbst von Drohungen nicht zurück, die sie an die Erschaffer des Spielfilms richteten, weil diese angeblich „die historische Wahrheit verzerrt“ hätten.

Ein Kino, in dem der Film laufen sollte, wurde sogar zum Opfer eines Brandanschlags. Viele Kinobetreiber – darunter auch einige in Kaliningrad – ließen sich dennoch dadurch nicht einschüchtern und führten den skandalumwitterten Streifen dem interessierten Publikum vor. Allerdings war dabei für zusätzlichen Schutz gesorgt worden, zumindest bei der Erstaufführung des Films.

Merkwürdigerweise weckte das umstrittene Werk der einheimischen Filmkunst beim Publikum kein großes Interesse. Die Kinosäle waren kaum halbvoll und die Zuschauer verließen sie eher enttäuscht als begeistert. Der Streit in den Medien und den Sozialwerken geht nichtsdestotrotz heute noch weiter.




Devisenkurse: 30. 11. 2017
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Quelle:Russ. Zentralbank