Kultur
31. 10. 2017
Geschenk für anspruchsvolle Kunstgenießer
Kaliningrad hat über 100 Werke des berühmten Avangarde-Malers und „persönlichen Feindes“ des sowjetischen Herrschers Nikita Chruschtschow, Elij Beljutin, geschenkt erhalten. Sie sind jetzt in der Kunstgalerie am Moskowskij Prospekt ausgestellt.

Das Gemälde „Russischer Tanz“ von Elij Beljutin. Foto: Pressedienst der Kunstgalerie
Der namhafte Vertreter der sowjetischen und russischen Avangarde und überzeugte Gegner des staatlich propagierten „sozialistischen Realismus“, Elij Beljutin, und seine Ehefrau Nina Molewa haben im Verlauf der letzten 25 Jahre mehrere ihrer Gemälde der Kaliningrader Kunstgalerie geschenkt. Nachdem Beljutin 2012 verstorben war, beschloss seine Witwe, die Verwahrung des künstlerischen Nachlasses ihres Mannes unserer Stadt anzuvertrauen. Sie begründete ihren Beschluss damit, dass Kaliningrad für sie eine besondere Stadt sei. Unsere Kunstgalerie war ja die erste regionale Kulturinstitution in der damaligen UdSSR, die 1990 die Werke des offiziell unter Verbot stehenden Malers ausgestellt hatte.

Die nun 91-jährige Nina Molewa hat mehrere Meisterwerke Beljutins und einiger anderer Maler, die dem legendären Kunststudio „Neue Realität“ angehörten, nach Kaliningrad gebracht. Es handelt sich dabei um über 100 Gemälde, die in der Zeit zwischen den 1950er bis 1990er Jahren entstanden, und um Alben mit graphischen Arbeiten aus den Kriegjahren ab 1940.

Die Großzügigkeit dieses Geschenks ist nach Meinung vieler Experten einmalig. Es ist praktisch das ganze Kunstatelier des berühmten Malers, das jetzt von seinem angestammten Ort an den Patriarschije Teichen in Moskau nach Kaliningrad gebracht wurde. Altes Möbel, Archivalien, Bücher, Familienstücke und Gegenstände aus dem privaten Besitz des Malers sollen jetzt in den Räumen unserer Kunstgalerie verwahrt werden.

Wie bekannt, plant die Kunstgalerie bald vom Moskowskij Prospekt ins Gebäude der ehemaligen Königsberger Börse umzuziehen. Der avangardistischen Kunst wird sie dort einen extra Block ihrer Ausstellungsräume widmen. Die besten Werke Beljutins werden einen gebührenden Platz in einem neuerschaffenen Milieu seines Malerateliers finden.

Die Kaliningrader Kunstgalerie verfügt derzeit über 1.000 Bilder und Graphiken von Elij Beljutin und seiner Nachfolger aus dem Kunststudio „Neue Realität“.

Zur Information: Die erste Ausstellung der Werke des Avangarde-Malers Elij Beljitin fand im Jahre 1948 statt. Die Folge davon war, dass Beljutin aus dem Verband der sowjetischen Künstler ausgeschlossen wurde. In den 1950er Jahren arbeitete er als Lehrer an der Moskauer Hochschule für Polygrafie, wurde aber auch daraus unter dem Vorwand fristlos entlassen, dass er dort die abstrakte Kunst propagiert hatte.

1962 ordnete der damalige Staatsoberhaupt Nikita Chruschtschow an, nachdem er eine Ausstellung von Beljutins Werken besucht hatte, „diesen Unfug zu unterbinden und zu verbieten“. Die ausgestellten Gemälde des Malers und seiner Schüler wurden alsdann in Beschlag genommen und die Avangardisten gingen in den Untergrund. Erst 1988, als die Perestrojka (die ideologische „Wende“ in der damaligen Sowjetunion – Anm. d. KE-Redaktion) in vollem Gange war, konnte eine neue Ausstellung der Mitglieder des Kunststudios „Neue Realität“ in der Moskauer Tretjakow-Galerie und zwei Jahre später auch in Kaliningrad durchgeführt werden.
Im Ausland fand Beljutin gleich Anerkennung. Seine Werke wurden in den 1960er Jahren in Frankreich ausgestellt. Die italienische Akademie der Gegenwartskunst zeichnete Beljutin 1969 „für hervorragende künstlerische Leistung und international bedeutsame Tätigkeit“ mit einer Goldmedaille aus. In den 1970er Jahren nahm Beljutin an verschiedenen Ausstellungen in Italien, Deutschland, Belgien, Großbritannien und den USA teil.




Devisenkurse: 31. 10. 2017
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Quelle:Russ. Zentralbank