Zusammenarbeit
29. 09. 2017
SALEM RUS – 20 Jahre danach
Man schrieb das Jahr 1997, als das Projekt „Gemeinnütziger Fonds SALEM – ein soziales Dorf für Kinder, Waisen und kinderreiche Familien“ gestartet wurde. In den zwanzig nachfolgenden Jahren wurde es von Enthusiasten aus Deutschland und Russland erfolgreich umgesetzt.

Die Geschäftsführerin des SALEM-Dorfes, Anna Engel, vor dem Plakat, das zur Jubiläumsfeier angereiste Gäste begrüßt. Foto: I.S.
Der Fond bekam damals ca. 80 Hektar Land bei Selenogradsk (ehem. Cranz) zugewiesen, wo er Wohn- und Gemüsetreibhäuser zu bauen begann, mehrere Obstgärten anlegte und einen kleinen landwirtschaftlichen Produktionsbetrieb gründete.

Die Idee solcher Dörfer, die seit geraumer Zeit weltweit gegründet werden, kann auf die Formel reduziert werden: Wohnhäuser sollen umweltfreundlich und Nahrungsmittel biorein und für die menschliche Gesundheit unbedenklich sein. Anders gesagt, man soll in einem harmonischen Einklang mit der Natur und anderen Menschen leben. Die Zeitung „Kaliningradskaja Prawda“ berichtet:

Die deutschen Partner des Fonds haben das Projekt nach dem Maß ihrer Kräfte mit Geld unterstützt. Von russischer Seite wurden Fleiß und Enthusiasmus der Mitarbeiter des Fonds sowie Geld und Sachspenden freiwilliger Helfer investiert. Die Namen von Olga Scholmowa, Ljubow Pokaljajewa, Wjatscheslaw Kowaltschuk, Wladimir Jeryschew, Pfarrer Wadim und vieler anderer Helfer sind in die Chronik des ersten russischen SALEM-Dorfes mit goldenen Lettern eingetragen.

Nachdem an die Spitze des Fonds Sergej Wislow als Direktor und Anna Engel als Geschäftsführerin getreten sind, weitet sich das SALEM-Konzept aus und beschränkt sich jetzt nicht nur auf die Sorge um die sogenannten Familienhäuser im SALEM-Dorf. Kinder aus sozial schwachen und kinderreichen Familien werden im SALEM-Dorf während der Ferien untergebracht. In den Sommerferien nimmt das Dorf bis zu 200 Kinder auf. Der Fonds organisiert für sie eine gesunde Ernährung, versorgt die Teilnehmer des Feriencamps mit Gemüse und Milch und übernimmt alle anfallenden Nebenkosten.

Es ist im Dorf zur Tradition geworden, den „Tag des Mutterschutzes“ und das „Erntefest“ zu feiern – die Tische werden dabei reichlich mit alledem gedeckt, was hier auf landwirtschaftlichen Flächen des SALEM-Dorfes in Hülle und Fülle angebaut wird.

Das Dorf organisiert jedes Jahr eine Künstlerkolonie, die „Pleinair“ heißt und Künstlern aus verschiedenen Ländern die Möglichkeit gibt, sich zu treffen und im Freien zu malen. Es entstehen bei solchen Treffen nicht nur neue Kunstwerke, sondern auch neue Ideen – wie man beispielsweise im Dorf ein „art space“, d.h. ein auf kreatives Schaffen ausgerichtetes Gelände mit einer Töpferei, einer Schlosserei und einer Näherei zustande bringen oder wie man Brotlaibe nach bäuerlicher Art backen oder leckeren Ziegenkäse herstellen kann.

Das SALEM-Dorf wird gerne von Spezialisten und touristischen Reisegruppen aus dem Ausland besucht. Ihr Interesse gilt in erster Linie den umweltfreundlichen Wohnhäusern, einer dorfeigenen Pflanzenkläranlage und ökologischen Anbaumethoden, die von Dorfbewohnern erfolgreich zur Herstellung von bioreinen Produkten angewandt werden. Das jüngste Projekt, das eben darauf ausgerichtet ist, betrifft einen Weingarten, den die Dorfbewohner auf 1 Hektar Fläche angelegt haben.

Sie haben da rund 500 Weinstöcke der Sorten Riesling, Muscaris, Solaris und Tafelwein gepflanzt. Alle Setzlinge haben prima Wurzeln geschlagen. Dieser Weingarten ist eine Art Versuchsfeld, auf dem geprüft wird, ob und wie Weinbau im Kaliningrader Gebiet betrieben werden kann.

Der Fond SALEM RUS und die Zweigstelle der St. Petersburger Agrar-Universität in Polessk (ehem. Labiau) haben darüber einen Kooperationsvertrag geschlossen. Einer der namhaftesten deutscher Weinbauer, Klaus Walter Krebs, nahm das Versuchsfeld des SALEM-Dorfes unter seine „Fittiche“. Er verfügt über sehr reiche Erfahrungen im Bereich Weinbau, die er sich in vielen Ländern der Welt, selbst in dem vom Nebel und Regen gezeichneten England, aneignen konnte. Die Idee, Wein im Kaliningrader Gebiet anzubauen, hält er für aussichtsreich und hofft bei diesem ersten Probeanbau eine recht gute Ernte zu erzielen .

Die Schicksale von Familien, die im SALEM-Dorf wohnen, verdienen es, in einem extra Kapitel geschildert zu werden. Nehmen wir beispielsweise die letztlich zugezogenen Boijkows – eine Familie mit elf Kindern, die hier Zuflucht fanden, nachdem sie auf Gerichtsbeschluss aus einer Wohnung exmittiert worden waren, weil sie die aufgenommene Hypothek nicht mehr bezahlen konnten. Der Vorfall sorgte seinerzeit für reichlich Aufsehen in der öffentlichkeit , eine reelle Hilfe bekamen sie jedoch nur vom SALEM-Dorf angeboten.

Das 20-jährige Jubiläum des SALEM-Dorfes wurde kürzlich ganz groß gefeiert. Angereist waren viele Gäste, unter ihnen der Projektleiter des Dorfes Gerhard Lipfert und der Leiter der weltweit agierenden gemeinnützigen Organisation „SALEM International“, Samuel Müller. Gerhard Lipfert war beim 1. Spatenstich von Gottfried und Ursula Müller dabei und begleitet seither den FONDS SALEM-RUS und SALEM-Raduga als Verantwortlicher von SALEM International.




Devisenkurse: 30. 11. 2017
1 EUR = 69,2000 Rbl
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Quelle:Russ. Zentralbank