Geschichte & Gegenwart
31. 08. 2017
Fürstengruft zur Besichtigung freigegeben
Der Raum hinter dem Altar befand sich gemäß strengen Regeln der Kirchenbaukunst im östlichen Teil des Königsberger Domes – dort, wo seinerzeit die ranghöchsten Würdenträger des preußischen Staates beigesetzt wurden. Er wurde daher Fürstengruft benannt.

Das restaurierte Grabmal des Herzogs Albrecht von Brandenburg (1490-1568). Foto: I.S.
Gegenwärtig dient dieser Raum hinter dem Altar als kleiner Konzertsaal, man kann hier auch die restaurierten Grabmale mit Inschriften (Epitaphien) darauf betrachten. In der Mitte befindet sich das Grabmal des Herzogs Albrecht von Brandenburg (1490-1568), des letzten Hochmeisters des Deutschen Ordens und ersten weltlichen Herrschers über Ostpreußen. Das Grabmal wurde 1570 errichtet, wobei es fast die ganze Fläche der Ostmauer eingenommen hat.

Erschaffen wurde Albrechts Grabmal durch den bekannten flämischen Bildhauer und Architekten Cornelis Floris. Als Rohstoff stand dem Künstler schwarzer Marmor zur Verfügung. Die Oberfläche des Grabmals hat er mit buntem und weißem Marmor, schwarzem Basalt, Alabaster und Goldanstrich geschmückt. Der Sarkophag wies zahlreiche Verzierungen und Skulpturen auf, wobei jede Figur und jedes Zeichen darauf ein christliches Symbol bedeutete. Das Epitaph kam im Zweiten Weltkrieg sehr zu Schaden und verfiel danach jahrzentelang weiter. Zum Stand von heute ist die Restauration des Epitaphs fast abgeschlossen.

Daneben befindet sich das Grabmal für den Fürst Boguslaw Radziwill (1620-1669) und dessen Gemahlin, Fürstin Anna Maria (1640-1667). Boguslaw Radziwill war der Sprößling eines der ältesten und reichsten Adelsgeschlechter im Großfürstentum Litauen. Seine Vorfahren gehörten zu den ersten Fürs-ten des Heiligen Römischen Reiches. Die Radziwills galten auch in Russland und Preußen als Fürsten und in Litauen waren sie die mächtigsten Magnaten. Sie waren nicht nur stolze Besitzer von Ländereien und Schlössern, sondern auch Mäzene, die der Förderung von Kunst und Bildung sehr zugetan waren.

1657 wurde Boguslaw Radziwill zum Generalstatthalter im Herzogtum Preußen ernannt. Er war in ganz Europa als faszinierter Sammler von Büchern bekannt. Seine ca. 400 Bände umfassende Büchersammlung vermachte er dem Herzogtum Preußen unter der Bedingung, dass sie in der Königsberger Bibliothek aufbewahrt werden sollte. Die Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg verfügt heute über die sogenannte Radziwill-Chronik (Königsberger Chronik). Diese setzt sich aus 617 fabrigen Miniaturbildern zusammen. Radziwills Ehefrau Anna Maria starb 1677 an den Folgen der Geburt ihres einzigen Kindes, der Tochter Louise Charlotte (Poln.: Ludowika Karolina).

Das Grabmal des Ehepaares Radziwill wurde im Zweiten Weltkrieg auch stark beschädigt und verfiel nach Kriegsende weiter. 2009 wurde es restauriert. Die Restaurationskosten übernahmen das Kulturministerium der Republik Polen und die polnisch-russische Stiftung „Kultur und Kunst ohne Grenzen“.

Gegenüber dem Grabmal der Radziwills befindet sich das Grabmal der ersten Gattin von Herzog Albrecht, der dänischen Prinzessin Dorothea (1504-1547). Albrecht hatte Dorothea 1526 geheiratet. Beide brachten sechs Kinder zur Welt, von denen fünf im frühen Kindesalter starben. Nur das erstgeborene Kind, die Tochter Anna Sophie, überlebte. Nebenan ist das Grabmal der zweiten Ehefrau von Herzog Albrecht, Anna Maria von Braunschweig, zu sehen. Sie war 42 Jahrte jünger als Albrecht und starb am selben Tag wie er, am 20. März 1568, im Alter von 36 Jahren.

Hier in der Fürstengruft wurden seinerzeit sechs Hochmeister des Deutschen Ordens beigesetzt. An der Nordmauer des Domes, links von Albrechts Grabmal, gibt es seit 1568 das Grabmal der Markgräfin Elisabeth – das größte im Raum hinter dem Altar des Domes. Es wurde seinerzeit vom Königsberger Bildhauer Willem von Bloche erschaffen.

(Quelle: Pressedienst des Domes)




Devisenkurse: 31. 10. 2017
1 EUR = 67,6400 Rbl
1 US$ = 58,1200 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank