Geschichte & Gegenwart
31. 07. 2017
Problemfall Elisabeth-Denkmal in Baltijsk- Ist eine Lösung in Sicht?
Das Fort „Elisavetinskij“ und die Reiterstatue der russischen Kaiserin Elisabeth darauf bedürfen dringend einer Sanierung. Dieser stehen jedoch die verworrenen Besitzverhältnisse und der Streit zwischen dem Meeresmuseum und der Stiftung „Elisavetinskij“ im Wege.

Es sieht so aus, als begrüße sie, die russische Kaiserin Elisabeth, mit ihrer Geste ein- und auslaufende Schiffe vor dem Hafen Baltijsk. Foto: I.S.
Die Umgebung des majestätischen Reiterdenkmals für Kaiserin Elisabeth in Baltijsk bietet heute einen skurrilen Anblick: Autos, die zwischen zahlreichen Müllhalden und Schlaglöchern parken, Verkaufsbuden, die mit simplem Bersteinschmuck und Souvenirs handeln, und Touristen, die sich zwischen den Rissen und Löchern auf der Oberfläche der Nordmole mühevoll einen sicheren Weg zum bronzenen Reiterdenkmal suchen.

Vorab eine paar Worte zur Geschichte des Forts: Die vom Bildhauer Georgij Franguljan erschaffene Statue zeigt die russische Kaiserin Elisabeth (1709-1761) hoch zu Ross in der Uniform eines Leibgarde-Obersten des Preobraschenski-Regiments. Die Statue wirkt, als ob die Kaiserin eine Flottenparade vor diesem russischen Hafen abnehme und mit der erhobenen Hand gelassen auf die hier verlaufende Grenze ihres Reiches weise.

Probleme mit dem Fort begannen praktisch sofort, nachdem auf dessen Gelände im Jahr 2004 die Reiterstatue aufgestellt worden war. Das gab den Anfang einer Kette von Gerichtsverhandlungen, die seitdem zwischen dem Kaliningrader Meeresmuseum und der Stiftung „Elisavetinskij“ ausgetragen werden. Das Meeresmuseum tritt dabei als Betreiber des Kulturobjekts Statue auf, der für deren Nutzung und Zustand verantwortlich ist. Der Stiftung „Ellisavetinskij“ gehört das Fort (der Unterbau der Statue) und das anliegende Grundstück als Eigentum. Die Stiftung wurde seinerzeit durch den damaligen Bürgermeister von Baltijsk, Fjodor Jaroschewitsch und dessen Ehefrau, ins Leben gerufen.

In der Zwischenzeit wurde direkt vor dem Denkmal eine Bierstube eröffnet und in dessen Unterbau ein Lebensmittellager eingerichtet. Da dabei an das Notwendigste, eine Toilette, nicht gedacht worden war, pflegten die Kunden der Bierstube ihre Notdurft gleich um die Ecke hinter dem Denkmal zu verrichteten. Eine technische Inspektion stellte seit geraumer Zeit fest, dass das Eisengerüst der Gedenkanlage total durchrostet ist. Der Grund für die fortschreitende Rostung liege in der Undichtheit der Unterbaukonstruktion, so stand es in einem Gutachten der Inspektion.

„Die Sanierung des Forts würde mindestens 20 Millionen Rubel kosten“, behauptet die Leiterin des Meeresmuseums, Swetlana Siwkowa, in einem Interview mit der Zeitung „Argumenty i Fakty“. „Das Kulturministerium hat jedoch unseren Antrag auf eine Finanzhilfe kategorisch abgelehnt.“

Was nicht das ganze Fort, sondern nur das anliegende Gelände betrifft: Dieses soll bald einigermaßen in Ordnung gebracht und verschönert werden. Ein Cafй öffnet da bald seine Pforten und die Stadtverwaltung plant auf dem Gelände Sitzbänke für Touristen und Besucher des Forts aufzustellen. Hauptsache: Sie verspricht das Befahren des Geländes mit Autos fortan zu verbieten.

Zur Information: In Europa gibt es eine einzige Statue, die eine Reiterin darstellt. Es ist die „Dame zu Ross“– ein Denkmal zu Ehren von Janne d’Arc auf dem Pyramidenplatz in Paris. Die Elisabeth-Statue in Baltijsk ist um das Vielfache größer: 6,3 Meter hoch ohne Unterbau, 14 m hoch mit dem Unterbau und 12 Tonnen schwer. Die Bronzefigur von Elisabeth in Baltijsk ist um 1 m höher als die am Denkmal für ihren Vater, den russischen Kaiser Peter den Großen, in St. Petersburg.




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Quelle:Russ. Zentralbank