Geschichte & Gegenwart
01. 06. 2017
Baudenkmal gefällig?
Die von Interims-Gouverneur Anton Alichanov in die Gebietsregierung berufenen Beamten planen eine großangelegte Privatisierung von Immobilien in der Region, auch die von historischen Bauten und Denkmälern.

Die Reste einer alten, noch von Schweden erbauten Festung in Baltijsk (ehem. Pillau) direkt am Ufer des Frischen Haffs. Foto: I.S.
Unter den in Frage kommenden Objekten des historischen Erbes befinden sich unter anderem ein altes Fort auf der Frischen Nehrung, das Schloss Preußisch Eylau in Bagrationovsk und der historische Befehlsstand der 43. Armee in Cholmogorovka bei Kaliningrad (ehem. Fuchsberg). All diese Denkmäler befinden sich – trotz ihrer historischen Bedeutung – in einem bedauernswerten Zustand.

Der Privatisierungsplan enthält einen wichtigen Teil, in dem es um die Restauration dieser Baudenkmäler als Auflage für potenzielle Käufer geht. Diese ist für die nächsten fünf bis sieben Jahre vorgesehen. Erfüllt der Käufer diese Verpflichtung nicht, wird sein Kaufvertrag rückgängig gemacht und die entstandenen Unkosten in Rechnung gestellt.

Viel Aufsehen erregt heute die Situation um das Schloss Preußisch Eylau in der Grenzstadt Bagrationovsk – das Schloss verfällt in einem atemberaubenden Tempo. „Dieses Baudenkmal erhält durch die Privatisierung eine Überlebenschance“, sagt der Leiter des dortigen Heimatmuseums Alexander Pantschenko. „Es heißt, es gibt einen Investor, der bereit ist, das Schloss zu retten. Er hat Ideen, geht mit Fantasie an die Restauration des Baudenkmals heran. Er möchte es nicht als bloßes Hotel, sondern als einen Unterhaltungs- und Ausstellungskomplex mit Radwegen, Sportanlagen, Ausflugsrouten usw. wiederaufbauen. Er will das Potenzial des Schlosses nutzen, um es im Segment des militär-historischen Tourismus zu etablieren.“

Die Privatisierungen könnten nach Meinung der Verantwortlichen die Gebietskasse um ca. 1,8 Milliarden Rubel bereichern. Angeblich ist dieser Betrag schon in den regionalen Etat eingeplant. Das stimmt nachdenklich, denn auch bescheidenere Gewinne, die man sich bei einigen der bisherigen Privatisierungen erträumt hatte, konnten letztendlich nicht erzielt werden.




Devisenkurse: 31. 07. 2017
1 EUR = 69,6800 Rbl
1 US$ = 59,5400 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank