Geschichte & Gegenwart
01. 06. 2017
Die „unfreiwillige Reise“ von Wilhelm Polak
Im Museum für Kunst und Geschichte fand die Präsentation des Buches „Erinnerungen an Papenburg und eine unfreiwillige Reise“ von Wilhelm Polak (1925-2015) statt. Das Buch wurde von der Witwe des Autors, Inna Polak, herausgegeben und in Kaliningrad präsentiert.

Wilhelm Polaks „Erinnerungen...“ werden für die heutige und die kommenden Generationen eine ständige Ermahnung sein. Foto: I.S.
Viele Völker wurden im Zweiten Weltkrieg zu Opfern des Nationalsozialismus. 18 Millionen Menschen verschiedener Nationalitäten wurden in Konzentrationslager gebracht, 11 Millionen von ihnen starben. Eines der größten Opfer – 6 Millionen Menschen – musste das jüdische Volk bringen. Die Schoah war ein Völkermord, der bis heute seinesgleichen sucht.

Konzentrationslager Kaiserwald, Stutthof, Burggraben, Städte Papenburg, Riga, Odessa... Jahre vergingen bis sich Wilhelm Polak entschloss, über seine „unfreiwillige Reise“ zu schreiben: die Überführung in ein jüdisches Ghetto in Riga und das Leid der in den KZs der Nazis eingesperrten Häftlinge. Dazu teilte er das folgende mit: „Lange habe ich nicht darüber reden wollen – und schon gar nicht in der Öffentlichkeit – was ich als Kind und Jugendlicher in Papenburg, im jüdischen Ghetto in Riga und in verschiedenen Lagern erlebt habe.

Es ging mir so wie manchen anderen, die ähnliche Schicksale erlebt haben. Sie hatten die Schrecken der nationalsozialistischen Herrschaft zwar überlebt, wollten nun aber dieses Kapitel ihres Lebens hinter sich lassen. Doch meine Kinder haben mich immer wieder gebeten, meine Erlebnisse aus dieser schweren Zeit aufzuschreiben, und so habe ich schließlich ihrem Wunsch nachgegeben. Ich schreibe dieses Buch in Erinnerung an die Freunde, die mir in schweren Zeiten beigestanden sind. Ich widme es dem Andenken meines Vaters Isaak Polak, der im Februar 1945 im KZ Buchenwald umgekommen ist, sodass ich an seinem Grab nicht den Kaddisch, das traditionelle jüdische Totengebet, sprechen konnte.“

Die Präsentation des Buches von Wilhelm Polak hatte viele Kaliningrader ins Museum gelockt. Tief bewegt und sogar mit Tränen in den Augen hörten sie der traurigen Geschichte eines Mannes zu, der sein Schicksal, die leidvollen Strapazen, die ihm in seinen jungen Jahren zuteil wurden, mit so viel Mut und Überlebenswillen überstand. Dazu sagte seine Witwe Inna Polak: „Ich widme die russische Übersetzung dieses Buches den Soldaten der Roten Armee, die meinem Mann und Hunderten von anderen KZ-Häftlingen das Leben retteten. Meinen Wilhelm haben sie buchstäblich dem Tod entrissen, er war nahe dran, an Typhus zu sterben, und litt unsäglich an Hunger, Kälte, Angst und Erniedrigungen. Wie heißt es im Talmud: ‚Und hast du ein einziges Leben gerettet, so hast du dadurch die ganze Welt gerettet‘. Indem sie Wilhelm gerettet haben, haben sie auch unseren Kindern das Leben geschenkt“.

Alle, die der Buchpräsentation beiwohnten, einigten sich darauf, dass es in der Geschichte Kapitel gibt, an die man die Menschen immer wieder erinnern soll. Ermahnend erinnern. Damit so etwas nie wieder passiert.

(kinfa)




Devisenkurse: 29. 09. 2017
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Quelle:Russ. Zentralbank