Städtebau
01. 06. 2017
Schloss wäre die beste Dominante
Die Entscheidung des Gebietsoberhaupts Alichanov, den Wiederaufbau des Königlichen Schloss fallen zu lassen, hat wider Erwarten keinen Schlussstrich unter die Debatte gezogen.

Die große Frage: Konnte die Ruine des Königlichen Schlosses in der Nachkriegszeit als Objekt des Kulturerbes erhalten werden? Theoretisch ja, praktisch jedoch kaum. Archivbild
Die Kaliningrader Öffentlichkeit spaltete sich in zwei Lager. Die einen stellen sich hinter Alichanov, die anderen zeigen sich von dessen Argumenten nicht überzeugt. Zu Letzteren gehört auch der Redakteur der Tageszeitung „Komsomolskaja Pravda“, Aleksej Denisenkov. Nachstehend einige seiner Überlegungen:

„Der Wiederaufbau des Königlichen Schlosses stellt den zentralen Teil des Bebauungskonzeptes ‚Herz der Stadt‘ dar. Das Konzept war die letzten paar Jahre in aller Munde, die Arbeit daran kostete Dutzende Millionen Rubel. Es wurden mehrere Architekturworkshops zum Thema durchgeführt. Es wäre falsch zu akzeptieren, dass die Mühen – Zeit, Geld und Kraft – umsonst waren. Architekten und Bauingenieure haben die Funktionszonen des Stadtzentrums in groben Zügen umrissen und klare Antworten darauf gegeben, was und wo gebaut werden könnte und sollte und welche Bauvorhaben hier unerwünscht wären.

Der letzte Workshop betraf die Bebauung der Anhöhe, auf der sich einst das Königliche Schloss befand. Man hat den Teilnehmern des Workshops, wie ich schon sagte, völlig freie Hand gegeben, sie durften kreieren, was sie wollten. Die Jury entschied sich für das Projekt des jungen Architekten Anton Sagal. Es sah den Wiederaufbau eines historisch bedeutsamen Teils des Schlosses in Kombination mit Elementen moderner Architektur vor – dadurch würde eine Art symbolische und visuelle Brücke geschlagen zwischen dem Schloss als Historie und beiden nebenan angeordneten neuzeitlichen Bauten – dem Haus der Sowjets und dem Einkaufszentrum ‚Plaza‘.

Der Akzent wurde dabei nicht auf eine detaillierte und authentische Wiederherstellung der Schlossarchitektur gesetzt – das wäre unter den gegebenen Umständen gar nicht möglich – sondern es musste dadurch eine architektonisch akzeptable Dominante des umliegenden Stadtbildes erschaffen werden. Um die herum würden sich später weitere Häuser, Gebäudekomplexe, Parkplätze, Grünanlagen und sonstige städtebauliche Objekte scharen können.

Das war der erste Versuch, ein umfassendes Konzept für eine komplexe Bebauung des Stadtzentrums zu erarbeiten. Es ist zu bedauern, dass er missglückt ist.
Was bietet man uns jetzt als Ersatz an? Alichanov sagt, er wolle alles daran setzen, das Haus der Räte zu Ende zu bauen – als ob das eine Alternative zum Wiederaufbau des Schlosses wäre. Mir kommt es nicht darauf an, den architektonischen Wert beider Bauten und noch weniger deren symbolische Bedeutung zu vergleichen. Ich möchte aber auf zwei Momente aufmerksam machen: Erstens wird das Problem einer komplexen Bebauung des Stadtzentrums durch eine Erneuerung des Rätehauses nicht aus der Welt geschafft, und zweitens ist es überhaupt eine große Frage, ob es irgendwann zu einer Erneuerung des Rätehauses kommen würde. Dessen Erneuerung steht ja seit 1990er Jahren auf der Tagesordnung und bis heute sind nicht einmal die Eigentumsverhältnisse geklärt. Schaut man beispielsweise in das Innere dieser Bauruine hinein und nimmt man dann ihren bautechnischen Zustand unter die Lupe, so kommt man vielleicht zu dem Schluss, dass eine Erneuerung des Rätehauses nicht weniger kostenintensiv wäre als der Wiederaufbau des Königlichen Schlosses.“




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Quelle:Russ. Zentralbank