Umweltschutz
28. 04. 2017
Droht der Fischfauna im Haff der Tod?
Das polnische Parlament hat fast einstimmig den Bau eines Seekanals quer durch die Frische Nehrung beschlossen. Das löst bei Wissenschaflern große Besorgnis aus.

Das Frische Haff verfügt zweifellos über einen besonderen Charme. Foto: I.S.
Der angesehene russische Gelehrte Felix Aleksejev befürchtet, dass die Umsetzung dieses Bauvorhabens eine Umweltkatastrophe zur Folge haben könnte.

„Das Frische Haff ist eigentlich kein richtiges Haff, sondern eher eine Lagune“, sagte Aleksejev in einem Interview mit der Zeitung „Komsomolskaja Pravda“. „Es ist tatsächlich ein Teil der Ostsee, der aber mit ihr durch eine sehr schmale Meerenge verbunden ist. Der Wasserspiegel des Haffs übersteigt jetzt den der Ostsee um vier bis fünf Zentimeter, dieser Umstand lässt Wasser aus dem Haff ins Meer fließen. Dadurch wird verhindert, dass das Wasser im Haff zu salzig wird. Das so entstehende Brackwasser, also weder Meeres- noch Süßwasser, hält das Ökosystem im Haff im Gleichgewicht. Einige Teile des Haffs weisen sogar vollkommen salzfreies Süßwasser auf. Brackwasser ist gut für einige Plankton-, Algen- und Fischarten. Strömlinge streben beispielsweise jedes Jahr in riesigen Mengen zum Laichen in das fast salzfreie Frische Haff, worauf große Teile der Küstenfischerei angewiesen sind.

Was passiert, wenn den Wassermassen im Haff ihr Abfluss ins Meer plötzlich erleichtert wird? Der Wasserpegel im Haff würde sich dann dem in der Ostsee angleichen, wodurch mehr Meereswasser ins Haff gelangen könnte und das Wasser im Haff salziger würde. Für das auf Brackwasser basierende Leben im Haff – für Plankton, Algen, kleine Krebse, folglich für die gesamte Fischfauna im Haff – wäre das der sichere Tod.

Allerdings – wir kennen keine technischen Einzelheiten zum Kanal, den die Polen auf ihrem Teil der Frischen Nehrung zu bauen planen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er mit Schleusen und Schließvorrichtungen von Haff- und Meeresseite ausgestattet wird. Eine solche Lösung würde die negativen Folgen des Bauvorhabens auf ein annehmbares Minimum bringen.“




Devisenkurse: 01. 07. 2017
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Quelle:Russ. Zentralbank