Sitten und Bräuche
02. 03. 2017
Eisbad zum Kirchenfest– ein typisch russisches Phänomen
In diesem Jahr eilten wieder Hunderte von Gebietsbewohnern in der Nacht auf den 19. Januar zu Flüssen, Seen und sogar ans Meer. Dort tauchte man in eigens dafür gebohrten Eislöchern ins Wasser und hatte so am Geheimnis der „heiligen Wintertaufe“ teil.

Das Eisbad zum christlichen Tauffest lädt Gläubige mit Energie und Frohsinn. Foto: I.S.
Am Abend des 19. Januar beginnt in Russland das Kirchenfest „Erscheinung des Herrn“ oder „Epiphanias“, bei dem es heißt, ganzkörperlich in ein Taufbecken oder ein offenes Gewässer zu tauchen.

Die Zahl der Gläubigen und Enthisiasten, die sich davon hinreißen lassen, nimmt von Jahr zu Jahr zu. Obwohl diese Tradition an das kirchliche Tauffest Epiphanias gebunden ist und folglich eine deutliche religiöse Färbung hat, gehen die Kirchendiener in letzter Zeit dazu immer mehr auf Distanz. Der bekannte russische Erzpriester, Aleksij Uminskij, äußerte sich beispielsweise eher skeptisch dazu: „Ich mache mir nicht viel aus diesem nächtlichen Baderitual. Wer will, der soll es meinetwegen tun. Ich frage mich nur: Was hat das Tauchen in ein Eisloch mit dem Kirchenfest Erscheinung des Herrn zu tun? Ich halte das für eine Art Unterhaltung, die so ein bisschen ins Extreme geht. Unsere Leute haben ja eine Vorliebe für alles Außergewöhnliche. Es ist halt eine Tradition, wie etwa die Faustkämpfe zu Masleniza (russ. Volksfest „Abschied vom Winter“, ähnlich wie Fasching in Deutschland – Anm. der KE-Redaktion).“

In der Tat, ein Eisbad zu Epiphanias zu nehmen ist eher eine vom Volk gern gepflegte Tradition, als ein fest vorgeschriebener kirchlicher Ritus. Sie ist nicht sehr alt, gewinnt aber in den breiten Volksmassen immer mehr Anhänger. Hauptsache, sie gibt jedem die Chance, seinen Mut, die Glaubens- und Willensstärke auf eine relativ simple Art auf die Probe zu stellen und als Bonus auch noch die im Laufe des Jahres begangenen Sünden wegzuwaschen.




Devisenkurse: 31. 08. 2017
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Quelle:Russ. Zentralbank