Wirtschaft
02. 03. 2017
Ölförderung auf See – Fluch oder Segen fürs Gebiet?
Der russische Ölkonzern „Lukoil“ wird immer aktiver in der Exklave Kaliningrad. Er hat eine neues Ölfeld in der Ostsee entdeckt und bemüht sich jetzt um die Förderlizenz. Für zahlreiche Urlauber und Touristen in den Badeorten würde eine Bohrinsel in ihrem Blickfeld jedoch zu einem Störfaktor.

Im August 2014 befand sich eine Bohrinsel von Lukoil unweit vor dem Badeort Selenogradsk. Foto: kinfa-Archiv
Gouverneur Anton Alichanov traf sich neulich mit dem Lukoil-Chef Wagit Alekperov. Beide besprachen Details einer Kooperationsvereinbarung, die voraussichtlich im April 2017 zu unterzeichnen ist. Dies berichtet das Internetportal „Newkaliningrad.ru“ unter Berufung auf den Pressedienst der Gebietsregierung.

Wagit Alekperov gab nach dem Gespräch mit Alichanov eine Erklärung ab, in der er Großinvestitionen in Höhe von 140 Milliarden Rubel in die Wirtschaft der Exklave Kaliningrad, insbesondere in Schürfarbeiten, in neue Erdöl- und Erdgasbohrungen und deren Anbindung an die bestehende Wirtschaftsstruktur sowie in den Bau von hydrotechnischen Anlagen ankündigte. Soziale Fragen kommen in dem großangelegten Plan nicht zu kurz: Es wurde vereinbart, damit einhergehend Projekte zur Verbesserung des regionalen Gesundheitswesens und der Lebensqualität in den Städten des Gebietes umzusetzen. Die Vereinbarung sieht die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Steigerung der Steuereinnahmen vor – der Ölriese Lukoil zählt zu den größten Steuerzahlern im Gebiet.

„Newkaliningrad.ru“ erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass Lukoil schon vor etwa anderthalb Jahren die Absicht kundtat, 140 Milliarden Rubel in die Ölförderung im Gebiet zu investieren. Damals stand Nikolaj Zukanov an der Spitze der Region und die Unterzeichnung einer solchen Vereinbarung wurde aufgeschoben. Heute stehen die Chancen dafür recht gut. Dem Ölkonzern kommt es darauf an, das Recht auf die Ölförderung auf See für sich zu behalten und das Gebiet glaubt, es liege in seinem Interesse, einen so aussichtsreichen Investor für sich zu gewinnen.

Die Angelegenheit hat aber einen Haken, so „Newkaliningrad.ru“. Und zwar muss jede Gesellschaft, die für sich das Recht auf Ölförderung beansprucht, sich um eine entsprechende Lizenz bemühen. Lukoil ist bei weitem nicht die einzige Gesellschaft, die sich darum bewerben wird. Wer die Lizenz bekommt, das entscheidet letztendlich Moskau.
Zur Information: Die Ölförderung in der Ostsee nahe der Samlandküste nahm 2004 ihren Anfang. Erst war es das Ölfeld Kravzovskoje, wo die Bohrinsel D-6 aufgestellt und in Betrieb genommen wurde. Rohöl, welches dort seitdem gefördert wird, geht nicht an russische Ölraffinerien, sondern wird ins Ausland verkauft. Das hat Alekperov selbst mehrere Male bestätigt. Das Rohöl vor Ort, d.h. im Kaliningrader Gebiet zu verarbeiten, steht nicht einmal zur Debatte.

Die schwimmende Bohrinsel „Arktitscheskaja“ begann im Mai 2014 mit Probebohrungen im Ölfeld D-29 vor Kulikovo (ehem. Probjehnen), um dann im August des selben Jahres zum Ölfeld D-41 vor Selenogradsk (ehem. Cranz) zu wechseln. Der KE berichtete, dass Urlauber und Touristen damals die Bohrinsel in ihrem Blickfeld mit Argwohn beäugt hatten. Später wurde die Bohrinsel weiter in das Ölfeld D-33, das sich unweit der Meeresgrenze zu Litauen befindet, verlegt. Im September 2015 wurde endgültig beschlossen, die Ölförderung dort, am Rande der russischen Hoheitsgewässer, zu betreiben.

Nach Alekperovs Worten liegt das Ölfeld D-33 ca. 80 Kilometer von der Meeresküste entfernt, sodass die Bohrinsel von den Badeorten aus nicht mehr zu sehen sein würde. Er sagte auch, die Probebohrungen seien beendet worden und Lukoil plane mit der Ölförderung auf D-33 schon in diesem Jahr zu beginnen. Dazu sollen erst vier oder fünf weitere Bohrinseln gebaut und dort aufgestellt werden. Derzeit befänden sich diese in den örtlichen Industriebetrieben Kliver und Jantar im Bau.




Devisenkurse: 28. 04. 2017
1 EUR = 62,1700 Rbl
1 US$ = 56,9700 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank