Grenze
03. 03. 2014
Grenzen fallen – Kaliningrad wird größer
Russland erklärt, dass es bereit ist, die Visafreiheit ab sofort einzuführen. Nun liegt es an der Europäischen Union, ihren Teil des Weges zu gehen.

Uwe Niemeier: "Wir leben gemeinsam und sollten versuchen, das Leben einfacher, angenehmer und einvernehmlicher zu gestalten".
Das alte Jahr 2013 hielt im Dezember noch eine Überraschung bereit. Die Überraschung kam vom FSB, dem russischen Sicherheitsdienst. Der Direktor des FSB unterschrieb einen Befehl über die weitestgehende Abschaffung der Grenzzonen im Kaliningrader Gebiet.

Ich empfinde das als ein sehr schönes Geschenk zum neuen Jahr seitens Russland an die Ausländer, die bisher für den Besuch des sogenannten 5-Kilometer-Streifens entlang der Grenze zu Litauen und Polen im Kaliningrader Gebiet eine Sondergenehmigung brauchten. Auch jetzt braucht man für den noch verbliebenen sehr schmalen Grenzstreifen eine Besuchsgenehmigung. Aber in diesem schmalen Streifen liegen nur noch sehr wenige Dörfer oder Siedlungen, und die Anzahl derjenigen, die genau diese Orte besuchen wollen, dürfte an zwei Händen abzuzählen sein. Selbst das hochsensible Gebiet der Stadt „Baltijsk/Pillau“ ist nun für Besucher frei. Und Russland hat keine Angst, dass Ausländer dort irgendetwas Böses tun, was die Sicherheit des Landes gefährdet.

Nun gibt es einen weiteren Kritikpunkt weniger und das Kaliningrader Gebiet ist, rein „touristisch“ gesehen, um ein paar Quadratkilometer größer geworden.

Aber Russland hat ja noch einen Joker im Ärmel – Visafreiheit für 72 Stunden für ausgewählte russische Städte/Regionen, darunter auch Kaliningrad. In erster Lesung hat dieser Gesetzentwurf bereits die Staatsduma passiert, die zweite und dritte Lesung steht bevor und mit ein wenig Optimismus wird diese Regelung dann ab Mitte 2014 in Kraft treten. Jeder (Deutsche), der möchte, kann sich an einem Freitag in einen Flieger von „AirBerlin“ setzen, ist eine Stunde später in Kaliningrad, braucht an der Grenze nur seinen Pass vorzuzeigen und fliegt am Sonntag mit der Abendmaschine wieder zurück. In der Zeit könnte er es theoretisch schaffen, den gesamten ehemaligen Grenzstreifen zu bereisen und sich anzuschauen, was es dort zu erleben gibt. Er kann aber auch den Aufenthalt einfach nur nutzen, um Kaliningrad besser kennen zu lernen und zu vergleichen, ob all das stimmt, was man so in Deutschland über die westlichste Region Russlands berichtet.

Und was erhält Russland nun im Gegenzug zu den beiden guten Taten? Immerhin ist Leben ein gegenseitiges „Geben und Nehmen“?

Mit ein wenig Glück bekommen wir in Kaliningrad sieben Millionen Touristen, jedes Jahr. Die Touristen liefern uns Westeuropa und der Rest der Welt. Zumindest träumen der Kaliningrader Gouverneur und die regionale Tourismusministerin davon. Und diese sieben Millionen Touristen bringen internationales Flair nach Kaliningrad und auch ein wenig Geld. Mit dem Geld werden die Kaliningrader dann reich und überlegen sich, wo sie es nun wieder ausgeben könnten. Gut wäre es natürlich, und eigentlich auch logisch, wenn man es in Deutschland, Polen, Litauen und anderen europäischen Nachbarländern ausgeben könnte. Kann man ja auch, aber erst, nachdem man zuerst ein wenig von dem verdienten Geld nimmt und es für ein Visum für die Europäische Union ausgibt. Tja, leider hat die Europäische Union nicht die Absicht, die Freiheit, die Russland den Westeuropäern einräumt, auch den Osteuropäern einzuräumen. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass Westeuropa und Osteuropa zwei unterschiedliche Kontinente sind.

Die Europäische Union scheint wirklich auf lange Sicht nicht die Absicht zu haben, an diesem „Lästigkeitspapier“ mit der offiziellen Bezeichnung „Visum“ etwas zu ändern. Das liest man in offiziellen Verlautbarungen. Schade eigentlich, dass die, durch die europäischen Steuerzahler finanzierten, europäischen Beamten nicht bereit sind, dafür zu sorgen, dass den Bürgern mehr Geld in ihrer Tasche bleibt (ein russisches Visum ist nicht gerade billig).

Also der langen Rede kurzer Sinn: Wir leben gemeinsam, wir befinden uns in einer gewissen gegenseitigen, gewollten Abhängigkeit voneinander und sollten versuchen, uns das Leben einfacher, angenehmer und einvernehmlicher zu gestalten. Sie, als deutscher oder europäischer „Otto-Normalverbraucher“ haben es in der Hand, Ihren Politikern, egal ob nationalen oder europäischen, zu sagen, dass Sie keine Lust mehr haben, Geld für ein russisches Visum auszugeben. Russland ist bereit, die Visafreiheit sofort einzuführen. Die ersten beiden Schritte für Kaliningrad ist Russland gegangen. Nun ist aber langsam mal die Europäische Union an der Reihe.

Uwe Niemeier www.kaliningrad-domizil.ru




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Quelle:Russ. Zentralbank