Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Geschichte & Gegenwart
Gussew setzt zum Aufschwung an
Gouverneur Boos: „Gussew zeichnet sich heute unter anderen Provinzstädten durch eine rasante Entwicklung aus. Der Wohlstand seiner Bewohner steigt von Jahr zu Jahr.“

Die alten Gebäude in Gussew haben zwei Weltkriege überlebt. Foto: I.S.
Dies stellte er nach seinem Besuch in Gussew (ehem. Gumbinnen) fest. Grund für die Lobrede war vorhanden: Noch vor einigen Jahren lag die Wirtschaft der Stadt am Boden, die Arbeitslosigkeit grassierte und junge Menschen wanderten wegen Perspektivlosigkeit aus.
Zusammen mit Ministern der Gebietsregierung besichtigte Boos die Schweinezuchtfarm „Baltische Fleischgesellschaft 3“ und die Firma „AfRus“, die Flugzeugbauteile produziert. Beide Betriebe sind neu und entsprechen höchsten technischen Standards. Den ranghohen Besuchern aus der Regionsmetropole wurde außerdem ein modernes Videoüberwachungssystem vorgeführt, das im Rahmen des Förderprogramms „Sichere Stadt“ entwickelt worden war. Der Einsatz dieses Sys-tems ermöglichte es, die Kriminalität in Gussew erheblich zu reduzieren.

Bürgermeister Nikolai Zukanow berichtete, dass der Stadthaushalt von Gussew in den letzten zwei Jahren aufs 2,5-fache gestiegen sei. So konnte die Stadt eine Polyklinik, ein Stadion und viele Straßen sanieren. Fußgängerwege wurden in Ordnung gebracht, fünf neue Sportplätze gebaut und eine moderne Straßenbeleuchtung installiert. Zudem konnten ganze 137 Millionen Rubel für die Verbesserung der Wohnungsinfrastruktur bereitgestellt werden.

Die Geburtenrate steigt: 2007 wurden 70 Kinder mehr als im Vorjahr geboren.
2008 sollen 25.000 Quadratmeter an neuen Wohnungen, ein neues Kino, eine moderne Sporthalle mit Schwimmbad und Bowling sowie eine Ganzjahreseisbahn gebaut werden. Weiteren Planungen zufolge soll in Gussew eine Niederlassung der Technischen Universität Kaliningrad eröffnet werden.

Dabei wahrt man hier auch das Andenken an die Vergangenheit dieser Stadt. Gussew liegt am Zusammenfluss von Pissa und Rominte. Die Pissa gliedert Gussew in zwei Teile: das linke und das rechte Flussufer. Die über 150 historischen Baudenkmäler der jahrhundertealten Stadt, ihre Fußgänger- und Verkehrsbrücken, die Kais, die Grünanlagen und der große Park tragen zur Attraktivität von Gussew/Gumbinnen bei.

Zu den Baudenkmälern gehören die Salzburger Kirche, die katholische Kirche, das Gebäude des Militärstabs usw. Die markanteste Sehenswürdigkeit der Stadt nennt man mit Recht das 1903 erbaute Gebäude der Friedrichschule, die als Bildungseinrichtung in Gumbinnen bereits 1762 während der russischen Hoheit über Ostpreußen nach dem Siebenjährigen Krieg gegründet wurde.

Die Friedrichschule wurde beispielsweise von Ferdinand Gregorovius, Historiker und Verfasser der berühmten „Geschichte der Stadt Rom“, und später Ehrenbürger Roms, Richard Friese, Maler und Mitglied der Kunstakademie Berlin sowie von dem berühmten Raketenbauer Werner von Braun besucht.

Seit 1947 ist in der Friedrichschule ein Landwirtschaftstechnikum untergebracht. In einem seiner Räume wurde an einer Wand unter mehreren Schichten Ölfarbe das berühmte, 1912 von Otto Heichert gemalte Freskogemälde mit dem Spruch „Euch die neue Heimat, mir die treuen Söhne!“ entdeckt. Das Wandgemälde ist inzwischen voll restauriert und der Öffentlichkeit freigegeben worden.

Ein Wahrzeichen der Stadt ist der „Elch“, das berьhmte Standbild, das in Gumbinnen 1912 eingeweiht worden war. In den ersten Nachkriegsjahren wurde es nach Kaliningrad gebracht und im Zoo aufgestellt. Erst 1991 kehrte der „Elch“ in seine Heimatstadt zurück.

(kinfa)




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Quelle:Russ. Zentralbank