Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Geschichte & Gegenwart
Königsbergs „Unterwelt“ erkunden
Die Ausgrabungen am einstigen Königsberger Schloss sind wiederaufgenommen worden. Man hat den Eingang des Tunnels entdeckt, der unter den Pregel führt.

Schon die ersten Spatenstiche an der neuen Ausgrabungsstätte brachten eine Sensation: Man entdeckte den Eingang zu einem Tunnel unter dem königlichen Schloss. Foto: I. S.
Touristen und sonstige Interessenten können jetzt die Kellerräume des Schloss-Westflügels, die als eine Art museale Ausstellung hergerichtet wurden, besichtigen. Nach drei Monate Pause, in der die Archäologen die Fortführung ihrer Forschungen mit den zuständigen Behörden abzustimmen hatten, arbeiten sie nun wieder – jetzt an einer Stelle, die etwas weiter in Richtung Dom Sowjetow liegt. Was die nächsten Pläne der Archäologen sind, darüber wusste kürzlich die Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ zu berichten:

„Wir hoffen, mit den wichtigsten Arbeiten fertig zu werden, bevor der Winterfrost anfängt“, so der stellvertretende Direktor des Museums für Kunst und Geschichte, Anatolij Walujew. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Tunnel zum Dom zu finden. Einige Zeitzeugen behaupten, dass sie ihn vor Jahrzehnten genutzt haben. Auch in einigen schriftlichen Quellen finden sich Hinweise zur Existenz des Tunnels. So gab beispielsweise der Hauptmann der Sowjetarmee Grigorij Pogodin den Verlauf des Tunnels vom Ostflügel des Schlosses zum Pregel in seinen Memoiren „Wir stürmten Königsberg“ ziemlich genau an. In den 60er Jahren, als der Moskowskij Prospekt gebaut wurde, waren die Archäologen nah dran, den Tunnel zu finden. Doch die großen Bauarbeiten, bei denen man in diesem Stadtteil viele Stromkabel, Gas- und Wasserleitungen verlegte, verhinderten die Weiterführung ihrer Forschungen. Pogodin und seine Kameraden stiegen kurz nach Kriegsende durch einen tiefen Schacht, den sie auf dem Schlossgelände entdeckt hatten, in den Tunnel und gelangten bis an den Pregel, wo es einen weiteren, zehn Meter tiefen Schacht gab. Unter der Dominsel teilte sich der Tunnel in drei Stollen, von denen die ersten zwei – nach Osten in Richtung Dom und nach Westen hin – verschüttet waren. Der dritte Zweig ging in südlicher Richtung weiter und endete mit einem Eisentor. Dieses musste sich ungefähr unter dem Pregelufer befinden, welches der Königsberger Börse gegenüberliegt. Das Eisentor war verschweißt worden, sodass Pogodin und seine Kameraden die Erkundung des Tunnels abbrechen und umkehren mussten.“

Die Ausgrabungen werden auch dieses Mal vom deutschen Magazin „Der Spiegel“ gesponsert. Sollte sich die Suche nach dem Tunnel mit konventionellen Mitteln als schwierig erweisen, schicken die Deutschen wieder ein Georadar nach Kaliningrad. Die Nutzung dieses Gerätes hatte sich bereits bewährt gemacht, als die Archäologen einige unter der Erdoberfläche entdeckte Zwischenräume durchleuchteten, in denen man die Reste des verschollenen Bernsteinzimmers vermutete.




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Quelle:Russ. Zentralbank