Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Medizin
Neue Herzklinik in Rodniki/Arnau
Die Bauarbeiten sind fast abgeschlossen, in ein paar Wochen sollen erste Patienten aufgenommen werden.

Die Klinik befindet sich außerhalb der Stadt, inmitten malerischer Natur. Foto: I.S.
Bauabschluss streng nach Terminplan

Von den fünf ähnlichen Großkliniken, die derzeit in Russland errichtet werden, geht das Kaliningrader Kardiologiezentrum als Einziges termingerecht „in Betrieb“. Baubeginn war 2007, man trug dafür insgesamt ca. 3,7 Milliarden Rubel zusammen. 2,93 Mrd. kamen vom Föderalhaushalt, 725 Millionen durch Zuschüsse aus der Gebietskasse und weitere 60 Mio. Rubel von verschiedenen anderen Quellen.

2011 wurde auf der Baustelle besonders intensiv gearbeitet. Im Mai gingen im Kaliningrader Seehafen die ersten 22 Baumodule an Land. Insgesamt wurden für das Kardiologiezentrum 327 solcher Module in Deutschland bestellt. Diese sind werkseitig mit allen notwendigen Durchlässen und technischen Einrichtungen ausgestattet worden. Um den täglichen Kaliningrader Verkehr nicht zu stören, wurden die Teile nachts zur Baustelle transportiert.

Aufnahmekapazität und Dienstleistungen

Das Kardiologiezentrum ist für bis zu 5.000 Herz- und Gefäßoperationen pro Jahr ausgelegt. Es enthält 167 Betten, davon 17 auf der Kinderstation. Außer der Kinderstation weist es Stationen für die Behandlung von angeborenen Herzfehlern, für die Koronar- und Gefäßchirurgie sowie für die Behandlung von Herzrythmusstörungen auf. Klar, dass auch eine Intensivstation vorhanden ist. Die Politik des Zentrums wird so aufgebaut, dass man da täglich 100 Patienten, darunter ca. 40 Kinder würde beraten können.

Kostenfreie Behandlung

„Unsere Patienten werden für ihre Operationen nichts bezahlen müssen“, versichert der regionale Gesundheitsminister, Alexander Wygowskij. „Auf die ursprüngliche Idee, ein Kardiologiezentrum zu gründen, an dem auch einige andere Fachrichtungen, wie beispielsweise Orthopädie und Neurochirurgie, vertreten wären, musste aus Zeitgründen bis auf Weiteres verzichtet werden.“

Personalpolitik

Die Spitzenposition im Kardiologiezentrum ist bereits besetzt worden. Der Chefarzt ist Dr. Prof. Jurij Schneider, Träger des Ehrentitels „Verdienter Arzt der Russischen Föderation“. Bis zu seiner Berufung nach Kaliningrad war er als Institutsdirektor für Herz- und Gefäßchirurgie an der Medizinischen Hochschule Nord-West in St. Petersburg tätig.

Viele Herzspezialisten und andere Fachärzte aus vielen Regionen Russ-lands bewerben sich um eine Anstellung im Kaliningrader Kardiologiezentrum. Darunter vier promovierte Herz- und Gefäßchirurgen und 16 Fachärzte mit verschiedenen anderen akademischen Graden. 230 der insgesamt 278 vorhandenen Planstellen sind bereits mit hochqualifizierten Fachkräften besetzt worden.

Unweit des Hauptgebäudes des Kardiologiezentrums, in der Siedlung Rodniki (ehem. Arnau), sollen Wohnhäuser für Spezialisten gebaut werden, die aus anderen Regionen Russlands geladen und am Kardiologiezentrum fest angestellt werden. Dem gleichen Zweck wird auch ein Wohnblock mit 108 neuen Wohnungen am südöstlichen Stadtrand Kaliningrads dienen, mit dessen Bau man in diesem Jahr beginnen will.

Warum gerade Kardiologie?

Die Schaffung des Kardiologiezentrums war eine Notwendigkeit, da Herz- und Gefäßerkrankungen in unserem Gebiet laut Statistik Todesursache Nr. 1 sind. „Herzinsuffizienz, Schlaganfälle und Infarkte werden immer häufiger auch bei jungen Menschen diagnostiziert“, sagt Minister Wygowskij. „Dabei kostet die notwendige Behandlung viel Geld. Das regionale Gesundheitsministerium trat deshalb 2011 mit der Initiative auf, die im Haushalt vorgesehenen Finanzmittel zugunsten der Behandlung von Herz- und Gefäßkrankheiten umzuverteilen. Der Gouverneur und die Gebietsregierung unterstützten den Vorschlag und stellten dafür zusätzlich über neun Millionen Rubel zur Verfügung. Damit werden jetzt Herzschrittmacher, Stents und andere für herzkranke Menschen lebenswichtige Geräte und Materialien angeschafft.“

Zur Information: Gouverneur Nikolaj Zukanow trat kürzlich, als Premierminister Wladimir Putin gerade im Gebiet weilte, mit dem Vorschlag auf, in Rodniki ein Onkologiezentrum ins Leben zu rufen. Putin unterstützte den Vorschlag. Mit dem Bau soll 2013 begonnen werden.




Devisenkurse: 02. 07. 2019
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Quelle:Russ. Zentralbank