Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Wirtschaft
"Hilfe zur Selbsthilfe"
…unter dieser Bezeichnung läuft derzeit einKooperationsprogramm zwischen den Landwirten aus dem Bundesland Brandenburg und des Rayons Prawdinsk (Friedland).
Insgesamt 85 Waggons (von denen 56 bereits angekommen sind) mit wenn auch nicht neuer, so jedoch betriebstüchtiger Landwirtschaftstechnik werden bis Jahresende die Prawdinsker von ihren deutschen Kollegen geschenkt bekommen haben. Um die Umsetzung des Programms vor Ort zu prüfen, machten sich Brandenburgs Landwirtschaftsminister E. Zimmermann, sein stellvertretender Minister D. Kantner, sowie der Berater des Landespremierministers, B. Aischmann, auf die weite Reise in den Rayon.

Zwischen den Gästen und unserem Korrespondenten kam es zu einem Gespräch, dessen Verlauf sich von russischer Seite der Chef der Landwirtschaftsverwaltung der Gebietsadministration, M. Chowanski, und der Vorsitzende des russlanddeutschen Vereins "Eintracht", V. Hoffmann, anschlossen.

K.E.: Herr Minister, was hat Sie dazu bewegt, die Patenschaft über die Prawdinsker zu übernehmen?

E.Z.: Das Bundesland Brandenburg liegt, wie Sie ja wissen, in den Grenzen der ehemaligen DDR. Jenen schweren Übergang, der zur Zeit bei Ihnen vonstatten geht, haben wir bereits hinter uns. Wir wissen also aus eigener Erfahrung, wie man aus solch einer schwierigen Situation herausfindet, und möchten gerne das, was wir bereits erreicht haben, nachbarschaftlich auch auf diesen Boden übertragen.

K.E.: Herr Aischmann, Sie vertreten das Bundesland Brandenburg in der Regierung. Wie stehen Sie zur Hilfe für Russland, wenn wir mal dieses regionale Beispiel nehmen?

B.A.: Es kann in keinem Land - hier meine ich in erster Linie natürlich Brandenburg - eine erfolgreiche Entwicklung geben, wenn es bei seinen Nachbarn - in diesem Fall Russland - keine Entwicklung gibt und dieser tatsächlich konkrete Hiilfe braucht. Deswegen werden wir auch alles tun um unseren Nachbarn und neuerdings auch Partner zu helfen.

K.E.: Herr Chowanski, warum hat man sich nun gerade Prawdinsk für die Patenschaft ausgewählt?

M.Ch.: Dieser Rayon liegt in unmittelbarer Grenznähe, außerdem hat die Aktivität der Bauern hier die zählbarsten Erfolge für sich, was zur ausschlaggebenden Voraussetzung für unsere Zusammenarbeit wurde. Die zwei Jahre aber zeigten auch, dass eine "Hilfestreuung" nicht zweckmäßig ist. Deswegen haben wir Herrn Zimmermann eingeladen um neue Varianten für einen Rayon auszuarbeiten.

K.E.: Herr Minister, wem und unter welchen Bedingungen wird die Landwirtschaftstechnik übergeben? Sind da auch Verpflichtungen vorgesehen, die Weiterverkauf oder nachlässigen Umgang mit der geschenkten Technik ausschließen?

E.Z: Alle Technik, die schon angekommen ist oder noch ankommen wird, verbleibt in der Region. Bestimmt ist sie ausschließlich für die, die Land bestellen, unabhängig von Nationalität oder irgendwelchen anderen Faktoren. Hauptprinzip ist: Technik nur an die, die sie wirklich brauchen!

V.H.: Ich möchte der Antwort vom Herrn Minister in Bezug darauf, dass die Technik in nachlässige Hände geraten könnte, noch hinzufügen, dass bereits eine Kommission, bestehend aus Vertretern von Gebiets- und Rayonadministration sowie Landwirten, existiert. Die Kommission verteilt die Technik unter Berücksichtigung solcher Faktoren wie: Größe der Grundstücke, Menge der Arbeitskräfte und Saisonbedarf. Im Falle eines unrentablen Einsatzes der Technik, d.h. wenn die Technik nicht im Betrieb ist oder zweckentfremdet wird, kann die Kommission die Technik zurückfordern.

K.E.: Herr Hoffmann, der Verein "Eintracht" steht noch in den Anfängen dieser Initiative. Wie hat denn alles angefangen?

V.H.: Wir haben zusammen mit der Gebietsverwaltung schon lange nach Möglichkeiten gesucht den Mythos über angebliche Privilegien der Russlanddeutschen zu zerstören. Deshalb haben wir uns auch diesen Rayon ausgesucht, wo Menschen ganz verschiedener Nationalitäten zusammen leben und sich Gedanken darüber machen, wie man am besten aus der schwierigen Situation herausfinden kann. Die Kontakte mit der Landesverwaltung Brandenburg führten dazu, dass den Prawdinskern ein Entwicklungsprogramm bestätigt wurde, das heute schon recht erfolgreich greift.

K.E.: Herr Zimmermann, die technische Hilfe ist ja nur der Anfang der Partnerschaft. Was sieht das Programm noch vor?

E.Z.: Es sieht u.a. die Schaffung eines Servicestützpunkts für die gelieferte Technik vor. Weiterhin soll die Ausbildung der Landwirte organisiert werden, die sich, außer dass sie gute Mechanisatoren sind, auch auf Management und Computer verstehen müssen. Weitere Vorhaben sind noch die Lieferung von Saatgut sowie die Erstellung einer eigenen Saatgutstelle.

E.Z.: Die Anfangsetappe haben wir hinter uns. Nun soll von einzelnen Hilfeleistungen in ein System übergegangen werden, was heißt, dass die Teilschritte im landwirtschaftlichen Sektor jetzt von einer umfassenderen Vorgehensweise abgelöst werden. Ziel unserer Zusammenarbeit ist es die Wirtschaften hier an das westeuropäische Entwicklungsniveau heranzuführen.

S. Suchowa




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Quelle:Russ. Zentralbank