Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Wirtschaft
Situation beunruhigend
Das Fazit der sozial-ökonomischen Entwicklung des Kaliningrader Gebiets im ersten Quartal dieses Jahres ist gezogen. Der Vorsitzende des Komitees für Wirtschaft und Prognosen der Gebietsverwaltung, W. SACCHAROW, kommentiert die Ergebnisse.

Im Vergleich zur Nord-West-Region Russlands (um Pskow, Nowgorod und Leningrad) weist das Gebiet Kaliningrad bessere Kennziffern im Bereich der Konsumgüterproduktion, des Einzelhandelsumsatzes, der Güterbeförderung sowie eine bessere finanzielle Lage der Unternehmen auf. Die Inflationsrate ist geringer. Die Landwirtschaft allerdings wartet mit schlechten Ziffern auf.

Die sozial-ökonomische Lage unseres Gebiets ist nach wie vor kompliziert, widersprüchlich und äußerst instabil. Nichtsdestoweniger gelang es, das Tempo der monatlichen Preiserhöhung von 15% - 16% im ersten Quartal des Vorjahres auf 10% - 12% im ersten Quartal dieses Jahres zu senken. Zugenommen hat die Produktion von Wurst, Käse, Milchprodukten und Margarine. Beim Verbraucherkorb (19 Grundnahrungsmittel) belegte Kaliningrad den 69. Platz unter mehr als 120 russischen Städten. Von natürlichen Personen konnten über 45.000 Wohnungen privatisiert werden. 700 Gemeinschaftsunternehmen mit einem Gesamtkapital von 6,5 Miliarden Rubel sind registriert.

Gleichzeitig ging der Umfang der Industrieproduktion gegenüber dem Vergleichszeitraum 1993 um 41% zurück. Den geringsten Produktionsrückgang verzeichneten Elektro-, Brennstoff- und Lebensmittelindustrie, währenddessen die übrige Volkswirtschaft einen bisher noch nie dagwesenen Rückschlag hinnehmen musste.

Akute Probleme ergeben sich aus: Vertriebskrisen, Rückgang von Produktions- und Unternehmeraktivität, Nichtzahlungen, hoher und latenter Arbeitslosigkeit sowie der starken Inflationsrate. Der Abbau von Arbeitsplätzen nimmt rapide zu. In einigen Unternehmen, vor allem im Maschinenbau, sind das 22% bis 43%. Dagegen nahm die Anzahl der Beschäftigten im "Kaliningradmorneftegas", im Schiffsreparaturwerk "Pregol", in den Aktiengesellschaften "AGA-GAS" und "Jantarenergo" zu. Des Weiteren bei: Unternehmen im Bausektor; Butter- und Käseindustrie; Molkereibetrieben und chemischer Industrie. Das könnte - obwohl die Lage auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor ernst bleibt - auf ein Überwechseln von Arbeitskräften in andere Volkswirtschaftssektoren hindeuten. Zur Zeit beziehen 6,5 tausend Einwohner des Gebietes Arbeitslosengeld.

Brisant auch die Situation im Agrar- und Industriesektor: Der Viehbestand verringerte sich um 12%, die Fleischproduktion sank um 22%, Milch produzierte man zum Vergleichsquartal des Vorjahres um 24% weniger.

Die finanzielle Lage der Unternehmen: Die Industrierentabilität beträgt alles in allem 17,5%. Obgleich damit über den Durchschnitt der Föderation liegend, wird es hier an eigenen Umlaufmitteln mangeln. Die Debitverschuldung beträgt über 130 Miliarden Rubel. Die Kreditverschuldung beläuft sich auf 144 Miliarden Rubel. Gleichzeitig verwenden die Unternehmen bei verschiedensten Finanzoperationen Beträge von über 15 Miliarden Rubel, die mit der eigentlichen Produktion nichts zu schaffen haben. Die Bankkreditverschuldung von Landwirtschaftsbetrieben beträgt 13 Miliarden Rubel. Dem gegenüber stehen 0,6 Miliarden Rubel auf Konten. Vermerkt werden muss in diesem Zusammenhang, dass die Verarbeitungsindustrie den Agrarunternehmen noch erhebliche Beträge schuldet.

Die Prognose für die nächsten drei Monate und die erste Jahreshälfte: Die angeführten Probleme werden weiterbestehen und durch die Einstellung ganzer Unternehmenszweige verschärft. Das wird Lohnverzögerungen hervorrufen, die Tendenz zum einfachen Warentausch wird sich verstärken. Die Produktion geht weiter zurück. Eine gewisse Belebung des Industrieausstoßes steht zu erwarten - unter der Bedingung des gelösten Problems der Nichtzahlungen allerdings. Der Produktionsumfang der wichtigsten Landwirtschaftserzeugnisse wird um etwa 10% - 15% geringer sein als im selben Zeitraum 1993. In der Konsumstruktur steigt die Quote der Kommunal- und Lebensmittelausgaben. Die Einzelpreise ziehen weiter an. Die Inflationsrate liegt Ende Mai, Juni und Juli bei 15% bis 20% fest. Grund: Die Kreditreserven sind ausgezahlt, die Staatsverschuldung getilgt. Das birgt aber eine Gefahr: Sollte die Anrechnung von Nichtzahlungen und die Emission wiederholt werden, kann das Inflationsniveau im dritten Quartal 45% bis 50% erreichen.

W. Tschertkow




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Quelle:Russ. Zentralbank