Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Soziales
Je ein Quadratmeter Wohnfläche für jeden
Der Oberleutnant Fjodor Tataranjuk wohnt mit seiner hochschwangeren Frau und vier Kindern - inzwischen sind es schon fünf geworden - in einem Achtquadratmeterzimmer eines Frauenwohnheimes in der Asowskaja Straße in Kaliningrad.
Es gibt dort natürlich nur für Frauen sanitäre Einrichtungen. Man sieht ihn schräg an, wenn er z.B. die Toilette benutzt. Ab und zu muß auch seine Frau aufpassen, damit die anderen Bewohnerinnen nicht wütend auf ihn losgehen. Die vier Jungen genießen noch freien Zutritt „weil nicht volljährig".

Sie seien auch für dieses Stübchen dem Bürgermeister Schipow dankbar, sonst wären sie auf der Straße gewesen. Man schläft, kocht, ißt und macht Schulaufgaben in dieser auch für russische Verhältnisse beispiellosen Enge.

Tataranjuk wurde mit den russischen Truppen aus Lettland abgezo
gen. In Kaliningrad war seine Militäreinheit kurz danach aufgelöst worden. Er stehe derzeit in sogenannter Verfügungsbereitschaft bei dem Oberkommandeur der Baltischen Flotte und bekomme monatlich 700.000 Rubel (ca. 215 DM). Davon muß er seine Familie ernähren. Aussichten auf eine Wohnung bestünden nicht. Zu einem der vielen kinderreichen Einwohner der Stadt geworden, putzt der Oberleutnant Tataranjuk Klinken bei den zivilen und militärischen Behörden. Das einzige Ergebnis: man erhob ihn in den Rang eines ,Zwangsaussiedlers". Das brachte ihm bis heute wenig.

So ein Schicksal wie das der Tataranjuks ist keine Seltenheit. Im Kaliningrader Gebiet haben noch 20 Tausend Militärangehörige der Baltischen Flotte, zum Teil mit Familien, Anspruch auf eine Wohnung vom russischen Staat. Eine ausweglose Situation.




Devisenkurse: 31. 05. 2019
1 EUR = 72,8400 Rbl
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Quelle:Russ. Zentralbank