Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Kultur
Mit der Kamera unterwegs: Die Wunderwelt der Dünen
Igor Sarembo fotografierte die Schönheiten der Kurischen Nehrung, die schon Thomas Mann faszinierten
„Ich habe eine starke Sympathie für diese Landschaft", bekannte Thomas Mann im Jahre 1931. Dies war kein Lippenbekenntnis. Mehr oder weniger zufällig hatte er die Kurische Nehrung besucht und war so fasziniert von dieser eigenartigen Landschaft, daß er beschloß, hier „Hütten zu bauen, wie es in der Bibel heißt". Als Ausgleich zu seiner vorrangig süddeutschen Identität, und vielleicht ajuch den Lübecker Kindheitserinnerungen nachgebend, wollte er in dieser rauhen, anmutigen Wildnis ansässig sein.

Am Ende seines ersten Aufenthaltes wurde von ihm der Bau eines Sommerhauses in Auftrag gegeben. Über die Landschaft hat er immer wieder geschwärmt: „Meine Worte können Ihnen keine Vorstellung von der eigenartigen Primitivität und dem großartigen Reiz des. Landes geben. Ich möchte mich hier auf Wilhelm von Humboldt berufen, der dort war, und speziell von Nidden so erfüllt war, daß er erklärte, man müsse diese Gegend gesehen haben, wie man Italien oder Spanien gesehen haben müsse."
Das Meer ist hier tiefblau, die Küste südländisch geschwungen. Die eigentliche Sensation aber sind die Dünen. Seit Jahrhunderten schon wird der feinkörnige Sand in Windrichtung landwärts geblasen. Was an der seewärts gelegenen Seite hinweggefegt wird, lagert sich an der Dünenrückseite sofort wieder an. So sind die Dünen immer in Bewegung. Ähnlich starke Wanderbewegungen sind nur noch aus der Sahara bekannt. Auf der Nehrung werden heute die Dünen bepflanzt, um der Sandflut etwas Einhalt zu gebieten. Im Inneren des Landstreifens sind Teiche, Sümpfe und Wald zu finden. Störche nisten hier in großer Zahl. Und der selten gewordene Elch ist anzutreffen.

Igor Sarembo, Jahrgang 1948, teilt Thomas Manns Begeisterung. Für den ehemaligen Kriegsberichterstatter, dessen erschütternde Fotoreportagen über Georgien, Armenien, Moldawien und Ossetien über die internationale weltweit bekannt geworden sind, bietet diese einmalige Küstenlandschaft immer wieder Ausgleich, Frieden, Ruhe. Die Begegnung mit den elementaren Urgewalten der Natur läßt menschliche Probleme kleiner werden. Wenigstens für Stunden.

Auch zeigt sich die phantastische Welt der 60 Meter hohen Wanderdünen in steter Verwandlung, präsentieren die wilde Großartigkeit des Strandes und die hier ungebärdige, unbezähmbare Ostsee immer neue Motive, sind reizvoll für einen, der solche Schönheit wahrnehmen kann. Igor Sarembo hat die zerklüfteten Küsten der Frischen und der Kurischen Nehrung überflogen, ist kilometerweit zu Fuß unterwegs gewesen, hat die Nehrung zu allen Jahreszeiten fotografiert. Natürlich war er auch in Nida (Nidden), wo noch heute das Sommerhaus von Thomas Mann besichtigt werden kann.

Aus einer Vielzahl von Fotografien wurden vom Leipziger LKG-Verlag die schönsten Aufnahmen ausgewählt und zu einem großformatigen Kalender zusammengestellt, der alle Freunde der Kurischen Nehrung durch das Jahr begleiten möchte.

Das Interesse daran ist groß. War doch die Kurische Nehrung, jener schmale, knapp 100 Kilometer lange Streifen zwischen Memel (Klaipeda) und Königsberg (Kaliningrad), zwischen dem Kurischen Haff und der Ostsee, vieleJahre für Touristen absolut unerreichbar. Erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit kann diese Wunderwelt der Dünen wieder bestaunt werden.

Renate Florstedt




Devisenkurse: 28. 12. 2018
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Quelle:Russ. Zentralbank