Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Wirtschaft
Wenn der Strom ausfällt
Die litauische Republik hat angekündigt, ihr Stromübertragungsnetz zukünftig an das der europäischen Länder anzuschließen. Das Kaliningrader Gebiet wird in diesem Fall vom übrigen russischen Territorium in Hinsicht auf die Energieversorgung abgeschnitten. Was tun? Nach Lösungen suchten gemeinsam Fachleute der Energiebranche aus Rußland, Weißrußland, Polen, Deutschland und den drei baltischen Ländern Ende März an Bord des Schiffes „Semjon Budjonnyj" in Kaliningrad.
Es gibt bereits eine russische Arbeitsgruppe, die Projekte der Energieversorgung des Kaliningrader Gebiets ausarbeitet. Das erste trägt den nicht besonders einfallseichen Namen „Wostok - Sapad" („Ost - West") und sieht den Bau einer überirdischen Hochspannungsleitung von 330 Kilovolt vom „Festland" aus über die weißrussische Stadt Grodno und weiter über das polnische Territorium nach Kaliningrad vor.

In einem zweiten Projekt hofft man auf eine gute Zusammenarbeit mit den litauischen Kollegen. Bleibt es dabei, wird die von den russischen Kraftwerken erzeugte Energie über Litauen zur russischen Exklave fließen. Hierfür ist der Codename „Sewernyj" („Nord") ausgedacht worden.
Außerdem wurden auch andere, zuweilen ganz gewagte Lösungen erwogen, bei denen ein Anschluß des Kaliningrader Gebietes an das europäische Netz in Frage käme. Allerdings soll Kaliningrad auch in diesem Fall mit seinem Mutterland verbunden bleiben, um die strategische Souveränität des militärischen Stützpunktes sicherzustellen.

Den Schwerpunkt aller Überlegungen der russischen Teilnehmer bildete das schon lange im Bau befindliche Wärmekraftwerk-2 (TEZ-2) in Kaliningrad, das partout in Betrieb genommen werden soll.

Das russische föderale Programm „Heizstoff und Energie" bezieht zwar das TEZ-2 ein, und auch der Termin der Inbetriebnahme ist bereits für das Jahr 1998 festgelegt. Jedoch wird die benötigte Summe von ursprünglich als gesamte Baukosten veranschlagten 600 Mrd. Rubel bis dahin kaum aufgebracht werden.

Jedenfalls in diesem Jahr werden lediglich etwa 130 Mrd. Rubel aus dem föderalen Haushalt zweckgebunden bereitgestellt. Bis heute ist das Kraftwerk schätzungsweise höchstens zu einem Fünftel fertiggestellt. Die fehlenden Gelder sollten die noch heranzuziehenden russischen und ausländischen Investoren finden. Dabei würde man vor der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens und folglich der Vergabe von Anteilen in das Ausland nicht Halt machen - trotz der strategischen Bedeutung.
A.Ch.




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Quelle:Russ. Zentralbank