Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Grenze
Hilfstransporte in der Sackgasse?
Die Schwierigkeiten der Zollabfertigung - auch für die Empfänger - sind enorm.
Seit zehn Jahren ist der Johanniterorden mit Joachim und Ingeborg von Perbandt im Hilfseinsatz im Bernsteinland aktiv.

Es kam vor, dass sie bei einzelnen Familien unangemeldet ankamen, der Tisch war gedeckt, sie wurden erwartet. Die Erklärung, dass dies so war: „Die Buschtrommel funktioniert, man hat ihr Auto schon im Lande gesehen und die Nachricht schnell weitergegeben.“

Zehn Jahre Fahrten mit 40 Transporten, das ist wirklich ein Jubiläum. Wenn man so oft unser Land bereist, kann man viel erzählen.

Zunächst war es die Hilfe für die Umsiedler aus den mittelasiatischen Ländern, heute hat sich die Aktivität auf Kirchengemeinden, Krankenhäuser und Ausbildungsstätten weiter ausgedehnt, wobei die beiden Johanniter sich den östlichen Teil der Oblast auserwählt haben. Das Krankenhaus von Nesterow (Stallupönen), das Militärhospital, die evangelische Kirchengemeinde und das Diakonische Haus in Gussew (Gumbinnen), das Geburtshaus und das Krankenhaus von Tschernjachowsk (Insterburg) - sie alle erhielten Ausrüstung und lebensnotwendige Hilfsgüter. Nach dem Rubelsturz im August 1998 organisierte Pastor Osterwald aus Gussew eine großartige Schulspeisung, die ca. 1000 bedürftigen Schulkindern eine warme Mahlzeit pro Wochentag servierte. Dazu konnte das Ehepaar v. Perbandt fünf Jahre lang einen großen Betrag beisteuern.

Die Psychiatrie in Gromowo (Hohenbruch) erhielt viele Transporte mit Betten, Pflegebetten, Bettdecken, Bettwäsche, Handtüchern, Krankenausrüstung, Möbeln für das Speisezimmer, Anstaltsgeschirr für den Speiseraum, Sanitäreinrichtungen wie: Waschbecken, Duschwannen, Badewannen etc, Bekleidungen. Auch Geld für das abgebrannte Dach des Arzthauses stifteten sie. Als das Ehepaar aber merkte, dass viele Spenden nicht dort eingesetzt wurden, wohin sie eigentlich gehen sollten, nämlich in die Psychiatrie, brach es sofort den Kontakt zu dieser Einrichtung ab.

Eine ganz große Anlaufstelle ist das College in Tschernjachowsk. Dort gründeten Herr und Frau v.Perbandt einen JohanniterHilfsfonds. Durch diesen erhalten bedürftige Studenten Hilfe zu ihrem Studium und eine Unterstützung für ihr tägliches Leben. Auch die Krankenstation, die von einer Ärztin geleitet wird, erhält Unterstützung für Medikamente und Betreuung der Patienten. Ebenso wurden auch dort, wie in den Zahnkliniken in Gussew und Kaliningrad komplette, fachmännisch überholte Zahnstationen eingebaut. Darüber hinaus vermittelt das Ehepaar Stipendien von deutschen Spendern für sozial schwache Studenten. Seit neun Jahren haben die beiden in den Sommerferien Gäste aus Insterburg bei sich in Deutschland im eigenen Hause; es sind Dozenten und Sprachstudenten der deutschen Sprache.

Über das Krankenhaus in Slawsk (Heinrichswalde), welches auch viele Transporte erhielt, wurde der Kontakt zum Krankenhaus in Neman (Ragnit) vermittelt. Die Bäder in der Infektionsabteilung in Neman konnten nicht benutzt werden, das aggressive Wasser hatte die Leitungen und Armaturen zerfressen. Das Wasser musste abgestellt werden. Seit fast drei Jahren versuchen die Johanniter die Sanierung abzuschließen, aber es dauert eben etwas länger als geplant. Es liegt nicht am fehlenden Gelde. Die Bauleitung und der Bürgermeister verleihen der Sanierung einfach nicht genügend Druck. Auf all den Wegen zu den Großempfängern leben Familien, die von dem Ehepaar v. Perbandt betreut und besucht werden.

„Es sind schöne Kontakte, die wir in Ostpreußen knüpfen. Wir haben sehr viele liebe, gastfreundliche und hilfsbereite Menschen gefunden. Wir kommen gerne nach Ostpreußen, der alten Heimat der Familie von Perbandt, einem alten Pruzzengeschlecht, das in Sokolniki (Langendorf) seit über 1000 Jahren beheimatet war“.

Die Transporte mit dem großen LKW hat das Ehepaar abgeschlossen. Die Schwierigkeiten der Zollabfertigung - auch für die Empfänger - sind doch sehr groß. „Wir wären sehr dankbar, wenn die russische Regierung den Erhalt der humanitären Visa für uns nicht noch mehr erschweren und verteuern würde!“ so die Samariter aus Deutschland.




Devisenkurse: 31. 10. 2018
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Quelle:Russ. Zentralbank