Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Medien
Der Staat päppelt „seine“ Presse
Wie können die Lokalblätter unter diesem Umständen überleben? Die Zeitung „Argumenty i Fakty w Kaliningrade“ (AIF) versuchte, diesem Problem nachzugehen.
Es werden in der Region Kaliningrad (im Land, außerhalb der Stadt) 25 Zeitungen herausgegeben. Die Pro-Tag-Durchschnittsauflage aller auf Bezirksebene erscheinenden Zeitungen beträgt 35.000 Exemplare. Wenn man bedenkt, dass ihr potenzieller Leserkreis etwa die Hälfte aller im Gebiet Kaliningrad lebenden Menschen umfasst, so kann man sagen, dass nur 7 Prozent im Land lebender Bevölkerung Abonnenten oder Käufer dieser Zeitungen sind.

Es wird aus folgenden drei Finanzquellen geschöpft: Erstens aus dem Haushalt der jeweiligen Kommunaleinrichtung. Damit werden die Löhne der in den Ortszeitungen beschäftigten Mitarbeiter ausgezahlt. Derer gibt es nicht viele: 4 bis maximal 13 Menschen. Leider sind es meist ältere Leute. Junge Journalisten sind in Bezirkszeitungen eher eine Ausnahme.

Der Gebietshaushalt ist die zweite Quelle, aus der die Bezirkspresse finanziell unterstützt wird. In den meisten Presseorganen auf der Bezirksebene ist ja das Komitee für Information, Presse und öffentliche Beziehungen der Gebietsadministration einer ihrer Gründer bzw. Gesellschafter. Allerdings wird aus dieser Quelle zugunsten der „kleinen“ Presse nicht viel Geld abgezweigt: so sind z.B. dafür im Gebietshaushalt des laufenden Jahres nur 2 Mio. Rubel (73000 EUR) vorgesehen. Den Trend kann man aber besser im Vergleich mit anderen Jahren erkennen: im vorigen Jahr waren es z.B. 2,8 Mio. Rubel, d.h. mehr als in allen drei vorangegangenen Jahren zusammengenommen. Aus dieser Haushaltssparte wurde z.B. der Kauf von 6 Autos für Bezirksredaktionen voll oder teilweise bestritten. Außerdem kauft die Gebietsverwaltung Papier für Bezirkszeitungen und bezahlt einmal in drei Monaten ihre Druckkosten.

Die dritte Geldquelle stellt die Zentralregierung dar. Es gibt dort eine so genannte Föderalliste, auf die man je eine Zeitung von jeder Kommunaleinrichtung setzen kann. Vom Gebiet Kaliningrad stehen jetzt 18 Zeitungen auf dieser Liste. Sie können fragen: warum nur 18, wenn es doch 22 Kommunaleinrichtungen gibt. Die Antwort ist einfach: in den Bezirken Laduschkin (Ludwigsort) und Mamonowo (Heiligenbeil) gibt es keine eigenen Zeitungen. Kaliningrad ist Regionshauptstadt und darf deswegen diese Finanzierungsquelle nicht beanspruchen. Und Swetlogorsk (Rauschen) hat seinen Antrag einfach zu spät eingereicht.

Die Zentralregierung bietet ihre Hilfe immer aktiver an. Im Jahr 2001 hat Moskau über 2,3 Mio. Rubel bereitgestellt, auch für die Anschaffung zusätzlicher technischen Mittel.




Devisenkurse: 28. 02. 2019
1 EUR = 74,9700 Rbl
1 US$ = 65,8900 Rbl
Quelle:Russ. Zentralbank