Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Umweltschutz
Ölfeld D-6 – ein Damoklesschwert über der Nehrung?
Die in der Region größte Ölgesellschaft „LUKOIL-Kaliningradmorneft“ hat ihre Pläne bekanntgegeben, die Erschließung des auf See befindlichen Ölvorkommens D-6 („Krawzowskoje“) in Angriff zu nehmen.
Werden diese Pläne zur Wirklichkeit, so wird man nur 22 km von der Kurischen Nehrung entfernt Öl vom Meeresgrund fördern. Den Bau der Bohrinsel will man im Jahr 2003 starten, die eigentliche Ölgewinnung beginnt dann schon ein Jahr später.

Im vorliegenden Artikel bringen wir vorwiegend Argumente des Ölunternehmens zugunsten der Erschließung des D-6-Vorkommens, machen aber gleichzeitig unsere Leser darauf aufmerksam, dass dieses Projekt einen rein kommerziellen Charakter hat. Es ist deshalb zu befürchten, dass der Umweltschutz im Wettkampf mit dem Profit den kürzeren zieht…

„Dwornik“, eine der auflagenhöchsten Ortszeitungen, hat vor kurzem die Antworten von LUKOIL-Kaliningradmorneft auf Fragen veröffentlicht, die die Menschen im Gebiet Kaliningrad in diesem Zusammenhang bewegen:

Können Sie bitte etwas näher auf die technischen Details der Ölgewinnung auf See eingehen?

Zur Erschließung des D-6-Ölfeldes haben wir die umweltfreundlichste und sicherste Förderungstechnologie gewählt. Das Öl lagert dort in einer Tiefe von 2300 Meter. Vor Ort wird eine gegen Meereseis gesicherte, feste Bohrturmplattform montiert und am Meeresgrund mittels Pfählen befestigt. Alles in allem wird dadurch der Natur nur 80 Quadratmeter Meeresgrundfläche weggenommen. Die Plattform beherbergt einen Wohnblock und einen technischen Block mit Maschinen und Ausrüstungen zur Ölförderung. Das Öl, oder genauer gesagt, ein aus Öl, Gas und Wasser bestehendes Gemisch wird über eine auf dem Meeresgrund verlegte Rohrleitung an Land befördert. Nicht weit von der Siedlung Kulikowo kommt sie aus dem Meer heraus und erstreckt sich dann über Land weiter bis zur Siedlung Romanowo, wo sie in eine Rohölaufbereitungsanlage mündet. Hier wird das Öl zuerst von Gas, Wasser und anderen Beistoffen abgeschieden und zum LUKOIL-Umschlagterminal bei Ischewskoje weitertransportiert. In Ischewskoje wird es in Großtanks zwischengelagert, verladen und in Tankerschiffen zu den Endverbrauchern gebracht.

Kann die Erschließung von D-6 die Umwelt gefährden?

- Die Umwelt kann am meisten während der Bauarbeiten an der Bohrturmplattform und der Pipelineverlegung beeinflusst werden. Diese Umweltbeeinflussung wird dann während der Anfertigung von insgesamt 21 Bohrlöchern schon weniger und nach der Inbetriebnahme der fertigen Bohrinsel am geringsten sein. Das gesamte Projekt ist unter Berücksichtigung aller nationalen und internationalen Umweltschutznormen und –forderungen erstellt worden.

Kann es zu Ölverschmutzungen bei D-6 kommen?

- Die Wahrscheinlichkeit einer Ölverschüttung beim Erreichen der Ölschicht ist äußerst gering. Automatische Verschließanlagen sperren Öl im Bohrloch bei kleinsten Anzeichen einer solchen Gefahr sofort ab. An der Bohrinsel wird stets ein Bereitschaftsschiff Wachdienst tun, um im Fall einer Panne einzugreifen und die Folgen einer Ölverschüttung zu beseitigen. Außerdem wird man die Lage an der Bohrinsel mit Hilfe von zahlreichen automatischen Kontrollanlagen ständig überwachen. Sowohl die Förderung, als auch der Transport von Öl werden im Fall einer Störung automatisch gestoppt, so dass kein Öl ins Wasser kommen kann.

Abfälle gibt es praktisch in allen größeren Industriebetrieben. Wie will man das Problem der Abfallentsorgung an D-6 lösen?

Wir haben uns für die teure Vollentsorgung entschieden. Das bedeutet, dass wir alle Abfälle, darunter auch den anfallenden Bohrschlamm, nicht ins Meer ablassen, sondern abfangen und in Spezialbehältern zwecks Entsorgung an Land bringen werden. Der Bohrschlamm wird an Land durch eine extra dafür entwickelte Technologie zu einer Art Baustoff verarbeitet werden, den man z.B. zur Straßenbefestigung verwenden kann. Mit Schweröl verunreinigtes Abwasser und sonstige ölhaltige Abfälle wird man am Umschlagterminal in Ischewskoje entsorgen. Sanitäres Abwasser wird man in Containern auch nach Ischewskoje zur Bioreinigung bringen. Sonstige Abfälle, die z.B. im täglichen Leben üblicherweise anfallen, wird man zur kommunalen Mülldeponie bringen.

Anmerkung des KE: Meinungen und Unterlagen zur möglichen Umweltbelastung durch die Ölgewinnung an D-6 finden Sie unter der Internet-Adresse www.lukoil-kmn.com




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Quelle:Russ. Zentralbank